Ein Schrank ist eine Hochhaustruhe oder von den 10.000 Dingen

Erst gab es Truhen, in denen man sein Hab und Gut aufbewahrte und die man auch mal mit auf Reisen nahm. Als der Besitz zunahm, stellte man sie hochkant oder stapelte sie übereinander. So entstand der Schrank. Er und seine variationsreichen Ableger ermöglichen dem Durchschnittseuropäer heute die Aufbewahrung der etwa 10.000 Dinge, die er sein Eigen nennt. Ausgewiesene Minimalisten kommen dagegen auf nicht mehr als 100 und Gandhi soll  bei seinem Tod nur über 5 persönliche Gegenstände verfügt haben.  Was dem einen Ballast, ist dem anderen Freude und Trost. Wann also genug genug ist, kann sich jeder nur selbst beantworten. Dabei können zwei Fragen hilfreich sein. Eine haben meine Schwester und ich uns schon als Kinder immer wieder mal gestellt: Welche drei Dinge würdest Du retten, wenn das Haus brennt. Und ich würde mir wünschen, ich könnte sie heute noch so unbefangen und unbelastet beantworten wie früher. Die andere Frage, die ich mir noch nicht ganz so lange stelle, ist: Was will ich zurücklassen, wenn ich sterbe. Welche Dinge sind wirklich mit mir als Person verbunden und daher bedeutungsvoll, welche kann ich mit Fug und Recht als nützlich und daher gern gesehen betrachten und welche zeigen mein Leben vielleicht nur als gedankenlose Aneinanderreihung von Impulsen? Ist/War mein Leben auf etwas ausgerichtet oder lasse/ließ ich mich treiben von einer Verlockung zur anderen. Welche Geschichte möchte ich mir später über mein Leben erzählen können und passen die Dinge dazu, mit denen ich mich jetzt umgebe?
Wir sind keine Minimalisten. Allein in unserem Schrank befinden sich schon 100 Sachen. Aber in einem kleinen Haus kann man der Frage, welche Dinge einem wichtig sind und warum, nicht bis zum letzten Tag aus dem Wege gehen.

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