Aus irdischen Hütten ...

... gehen wir in himmlische über. Hausinschriften wie diese zieren viele Häuser in der Lüneburger Heide und zeigen, wie präsent für die Menschen damals die Vorstellung war, dass dem Leben hier ein schöneres folgt. Der Weg dorthin, auch wenn er - oder vielleicht gerade weil er - Müh' und Plage bedeutet,  ist nur eine Pilgerreise. Und dass man den Wanderjahren auf Erden selbst dann nicht entgehen kann, wenn man sesshaft wird, still steht und sich materiell absichert, zeigt ein anderer Spruch, den ich besonders mag: "Das Haus ist mein und doch nicht mein. Der nach mir kommt, kann's auch nur leihen ..." Das Leben zieht vorüber. Für ein kurzes Intermezzo ist man Gast auf dieser Erde, nicht mehr. Da hilft kein Haus und keine Lebensversicherung, nicht Sport, kein gesundes Essen und keine Selbstoptimierung. Wir sind sterblich. Wenn diese Vorstellung abhanden kommt oder wie in unserer Gesellschaft, kollektiv verbannt wird, wächst unerkannt die Angst. Man fühlt sich mit anderen nicht mehr in einem großen Gedanken verbunden und dadurch gestärkt, sondern klammert sich kleinmütig an sein eigenes kleines Leben, weil man nicht glauben mag, dass es etwas größeres geben könnte. Vielleicht ist Religion ein falscher Trost, trotzdem beneide ich die Menschen um ihr sicheres Wissen und die geteilte Vorstellung einer geistigen Heimat. 

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