In der Not frisst der Teufel Fliegen

Den ganzen Sommer über habe ich auf langen Spaziergängen durch den Wald ein Körbchen in der Hand und sammle Zapfen zum Anfeuern für den Winter. Nur die schönsten sind mir gut genug und so füllt sich Kiste um Kiste mit ausgesuchten Unikaten. "Mönnekeswark", wie eine Nachbarin spöttisch meint und damit doch genau erfasst, was sie mir bedeutet. Natürlich ist es zeitraubend und völlig überflüssig, denn die Hässlichen brennen auch, der Garten ist voll davon und man braucht sie schließlich einfach nur zusammenrechen. Aber Sammeln ist ähnlich meditativ wie das Beten der Mönche. Man focussiert sich auf das eine Objekt und seine Tadellosigkeit und blendet für eine Weile alles andere aus - geht ganz auf im Hier und Jetzt. So würden Buddhisten sagen oder ist im Flow, wie ein bekannter Glücksforscher es nennt. Dieses kleine Glück werde ich aller Nützlichkeitsüberlegungen zum Trotz immer wieder suchen. Nicht aber jetzt im Winter. Da sich unser Vorrat wegen des regnerischen Sommers bereits dem Ende zuneigt, treibt es mich erneut mit dem Korb in den Wald. Nun hebe ich ungeachtet irgendwelcher Schönheitsideale alles auf, was brennen kann. Stöckchen, Splitterholz gefällter Bäume, Rinde und auch all die Zapfen, die ich im Sommer verschmäht hätte. Die ungeliebte Beute trocknet in einer Schüssel auf dem Kamin und wenn ich sie nach zwei Tagen herunterhole, muss ich anerkennen: Auch sie ist schön!

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