Die Welt im Kleinen

Modellbau ist unverändert beliebt - bei Erwachsenen (Männern). En miniature werden keine modernen Welten mit Fabriken und Schloten, Autobahnen und Schnellzügen nachgebildet, schon gar nicht Atomkraftwerke oder Mastbetriebe. Nein, Fachwerkhäuser, Natur und Tiere, Autos von Anno dazumal bilden die Kulisse der Bahnstrecken mit altertümlichen Lokomotiven und Wagons. Erinnerungen an Kindertage und Ausdruck der Sehnsucht nach einer Zeit, als die Welt noch in Ordnung schien und die zahlreichen Schläge, die man noch würde einstecken müssen, nicht schmerzten. Kleine mentale Fluchten zur Selbstheilung für die, die zwar mitmachen in der echten Welt, aber sich nicht an sie gewöhnen können und wollen. Auch ich weigere mich, mich an eine Welt zu gewöhnen, in der alles zerstört und zu Geld gemacht wird und auch ich flüchte in meine kleine heile Welt: Garten und Häuschen im Wald. Das ist 'gut und schön' und angesichts der Schreckensmeldungen, die uns täglich erreichen, nur allzu verständlich. Aber es birgt auch die Gefahr, mit der täglichen Dosis Beruhigung die berechtigte Wut niederzuhalten, die notwendig wäre um aufzubegehren. Immer schön still sollen wir sein und angepasst. Aber wohin bringt uns das?

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