Aufräumen

Einen gepflegten Stadtgarten werde ich niemals bekommen, egal wie viel Mühe ich mir gebe. Dafür rieseln einfach immer viel zu viele Kiefernnadeln herunter. Sie von den Wegen zu klauben ist meinem Bedürfnis nach Ordnung geschuldet, die Nadeln aus den Beeten zu sammeln dagegen hat seinen guten Grund. Die Erde hier ist sauer und ähnlich wie bei der Henne und dem Ei weiß man nicht so recht, was zuerst da war. Siedelten sich die Kiefern, Rhododendren, Heidekraut, Blaubeeren, Preiselbeeren an, weil der Boden hier diesen einladenden PH-Wert aufweist, oder produzieren sie ihn erst und schaffen sich so ihr eigenes Biotop, in dem Fremdlinge nicht willkommen sind. Gewiss ist aber, dass mit jeder Kiefernnadel, die sich im Boden zersetzt, dieser stärker versauert und die Chance für andere Pflanzen sich heimisch zu fühlen, verringert. Also reche und sammle ich sie weiter aus den Beeten, nicht eine Schubkarre voll, sondern im Laufe eines Jahres sehr sehr viele. Hügel kann ich damit aufschütten und tue es auch. Humus aus Nadeln gibt es daher kaum noch, dafür aber bekommt unsere Erde Hornspäne, gelegentlich eine Prise Kalk, vor allem aber jeden noch so kleinen Gemüse- und Obstrest, Eierschalen, Kaffeeprütt und Holzasche aus dem Ofen. Und weil die Pflege eines Komposthaufens eine Kunst für sich ist, die ich noch nicht beherrsche und zu der mir wohl auch die Geduld fehlt, grabe ich der Einfachheit halber ein Loch irgendwo ins Beet, fülle es ein paar Tage lang mit unseren Resten und decke es dann wieder mit Erde ab. So reiht sich Kompostgrube an Kompostgrube, bis irgendwann jedes Stückchen Beet einmal umgegraben wurde. Und wenn ich beim Hacken oder Pflanzen auf ein solches Resteloch stoße, staune ich, wie schnell die Erde sich diese Leckerbissen einverleibt. Vielleicht will sie doch nicht sauer bleiben und ich komme ihr gerade Recht.

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