Tagewerk

Der alte Garten macht zu dieser Jahreszeit kaum Arbeit. Daher bin ich froh, im neuen ein weiteres Betätigungsfeld zu haben. Er ist, wie damals unser erster, noch eine leere Leinwand, die darum wirbt, ein Kunstwerk zu tragen. Das kann einen kleinmütig machen, aber es ist auch eine Aufforderung an den Gestaltungswillen, und ihm nachzukommen, ist sehr befriedigend. Meine Antwort auf die Herausforderung ist ein wenig konservativ und profan, aber wirkungsvoll: Ich setze Grenzen! Lege Beete an und bringe so Struktur in die Weite. Die ersten Beete haben wir direkt aus unserem alten Garten heraus in den neuen hineinwachsen lassen. Das war einfach. Am Wochenende haben wir uns dann der langen Grenze zum Wald angenommen, an der jenseits des Zauns ein schmaler verwachsener Trampelpfad entlangführt. Gelegentlich wird er von Spaziergängern benutzt, so dass wir uns schnell einig waren, diesen Bereich üppig zu bepflanzen, um vor Einblicken geschützt zu sein. Also haben wir alles, was wild im Garten wuchs, ausgegraben und vermischt mit einigen neuen Pflanzen dort hingesetzt. Jetzt müssen sie nur noch wachsen. Die Beeteinfassung ist kreatives Stückwerk und besteht aus allem, was Garten und Wald hergeben. Birkenstämmchen, die eigentlich verheizt werden sollten, Steine, Natursteinplatten, Holzklötze und Äste aus dem Wald, die Werner mühsam anschleppt oder zieht und dabei eine verräterische Schleifspur bis zu unserem Haus hinterlässt.  

Bis zum Abend war das Werk vollendet, der Garten aufgeräumt, weil wir alles, was herumlag, verbaut hatten und die abwechselungsreiche Einfassung beinahe kostenlos, bietet Kleintieren Unterschlupf und ist Teil des Stirb und Werde, das uns der Wald ständig vormacht. 

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