Anouk, ich und die Leine dazwischen

Die Kleinen hängt man (an die Leine), die Großen lässt man laufen.
Die Kleinen hängt man (an die Leine), die Großen lässt man laufen.

Auf dem Land fühlt man sich recht frei und besonders im Wald. Man trifft nur wenige Menschen, auf die man Rücksicht nehmen muss und Einschränkungen und Regeln begegnen einem kaum. Ich kann mich in der Welt bewegen, wie ich will. Wenn ich gehe, dann gehe ich, wenn ich schauen möchte, bleibe ich stehen und selbst wenn ich laut Selbstgespräche führte, mir nach einem Lied oder einen Tänzchen wäre - allein mit mir kann ich nichts falsch machen. Wie anders ist das in der Stadt, wo man, kaum hat man das Haus verlassen, von tausend kleinen Ver- und Geboten im Verhalten bestimmt wird. Wenn viele Menschen unbeschadet miteinander verkehren wollen, muss man sich anpassen. Also wartet man an der Straße, vor der roten Ampel, am Bahnsteig, vor Türen und Aufzügen, andererseits wird man mitgerissen im Tempo der Menge. Man nimmt es hin, weil es so sein muss, aber man fragt nicht mehr, was es mit einem macht, sich ständig zurücknehmen zu müssen. Hier stoßen wir uns nur an einem Gebot: der Leinenpflicht. Rund drei Monate im Jahr während der Brut- und Setzzeit muss Anouk an der Leine bleiben. Wir führen sie am Gängelband und das stört uns sehr. Über Sinn und Unsinn dieser Regel kann man streiten, aber sie zu ignorieren bedeutet unweigerlich Ärger. Dann wundert man sich, wie viele Zivile im zweiten Leben Jäger sind, mit dem Gewehr unterwegs und bereit, einem Hund, der der gleichen Leidenschaft wie er selber frönt, den Todesschuss zu geben. Hier endet die Freiheit in Wald und Feld. Einer Grundsatzdiskussion zum Thema wäre ich nicht lange gewachsen, denn da ist viel die Rede von Schutz und Arterhaltung und anderen wichtigen Dingen. Und wie sollte ich dem widersprechen. Aber einige Fakten würde ich dann doch gerne den selbstgerechten Monologen entgegenhalten: z.B. dass alleine in Niedersachen pro Jahr rund 29.000 Rehe, Hirsche, Wildschweine etc. erschossen werden und Millionen Tiere in den Landmaschinen verenden. Wie verheerend mag sich daneben wohl die Zahl der gescheuchten Hasen und Rehe ausmachen, die Anouk aufstöbern kann? Da wird wie so oft mit zweierlei Maß gemessen und der Mensch und die Arroganz, mit der er über das Leben Schwächerer verfügt, ist das Maß aller Dinge.

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