Lauter Statisten

Vor rund einem Monat zogen die Erdkröten zu den Teichen hinter unserem Haus, die Männchen huckepack von den Weibchen getragen. Jetzt bevölkert das Ergebnis ihrer Anstrengungen die Teiche hinter unserem Haus. Millionen Kaulquappen wimmeln im Wasser und der Anblick ihrer schwarzen kleinen Körper, die vom kräftigen Ruderschwanz durch das glasklare Wasser getrieben werden, ist wunderschön. Die Fülle kann einen sprachlos machen und die großzügigen Gesten der Natur, die wie selbstgenügsam in ihren eigenen überreichen Gaben zu schwelgen scheint, bringt einen ins Grübeln über Sinn und Unsinn eines Lebens. Hier wacht nicht eine Mutter eifersüchtig über ihr einziges Kind und verleiht ihm damit Bedeutung, hier wird Leben verschwendet, als spielte es keine Rolle. Lauter Statisten im Spiel des Lebens.

Bevor wir die vielen Dinge schufen, die wir zwischen die Natur und uns geschoben haben, hatten wir nur sie und alles was wir fühlen und denken, was in unserem kollektiven Unterbewusstsein als Erfahrungsschatz gespeichert ist, entstand ursprünglich in Reflektion mit ihr. Dass wir daher angesichts solcher Massen von Individuen, deren Zweck nicht in ihrer persönlichen Entwicklung liegt, tief im Innern von der Angst beherrscht werden, völlig bedeutungslos zu sein, folgt der Beobachtung und ihrer archaischen Interpretation. Ein Leben in Angst ist schwer zu ertragen. So wundert mich nicht, dass wir die vielen Götter der Naturreligionen, die die Welt einmal zusammen mit den Menschen bewohnt haben, zugunsten eines einzigen über allem stehenden Vatergottes abgeschafft haben, der uns anschaut wie eine Mutter ihr Kind, um uns die Bedeutung zu geben, an der wir sonst zweifeln müssten.  

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