Waldköstlichkeiten

Stilleben mit Fundstücken aus unserem 40 Jahre alten Blockhaus und Gläsern mit Gelee aus frischen Tannentrieben und Löwenzahncreme
Stilleben mit Fundstücken aus unserem 40 Jahre alten Blockhaus und Gläsern mit Gelee aus frischen Tannentrieben und Löwenzahncreme

Es gab eine Zeit, da drehte sich "alles" ums Essen: das Sammeln, Anbauen, Jagen und nicht zuletzt die Zubereitung. Viel Arbeit war notwendig um satt zu werden. Was der Mensch brauchte, lag auf der Hand, war und ist auch heute im Grunde ganz einfach: Essen, ein Dach über dem Kopf, Kleidung, Wärme, Gemeinschaft und eine Erzählung, die ihn in eine Sinngebung einbindet. Wenn alles reichte, war es Grund genug dankbar zu sein. Das Heranschaffen, Erzeugen und auf den Tisch bringen von Nahrung war dabei nicht allein Mühsal, sondern hatte seine eigene Formensprache aus Überlieferung, Geschick, Erfahrung und glücklichen Umständen. Heute ist Essen größtenteils standardisiert. Man kauft es oft fertig oder halbfertig und nicht selten Massenprodukte, die so aufgebläht oder verfremdet sind, dass sie von den Ursprüngen eines Mittels zum Leben fast völlig befreit sind. Auf der anderen Seite stehen kulinarische oder gesundheitsbewusste Auswüchse. Nahrung hat heute wenig Grundsätzliches, dafür ist es wahlweise Nebensache, Feind, Heilsbringer, Leidenschaft oder Statussymbol. In jedem Fall aber nimmt eines der wichtigsten Dinge des Lebens nur noch einen Bruchteil der Lebenszeit in Anspruch - lediglich als Weltanschauung oder Hobby wird es wieder Mittelpunkt des Daseins. Das ließe sich zunächst einmal völlig wertfrei betrachten, wenn die Umstände, die solches möglich machten, nicht auf lebensfeindlichen Methoden beruhten. Da hört die Nachsicht auf und die Antwort darauf könnte sein: Holen wir uns unsere Nahrung zurück, und besinnen uns darauf, was Essen und Mahlzeiten dem Menschen bedeuten. Wir dürfen uns nicht alles aus der Hand nehmen- und der Wirtschaft über-lassen. Bequemer mag es wohl sein, aber sinnlicher keinesfalls. Und schöner gewiss nicht, wie die Gläser mit Gelee aus Tannentrieben und Körperbutter mit Löwenzahnblüten von meiner Nachbarin beweisen, die sie ganz im Rhythmus der Jahreszeiten und im Bewusstsein, was die Natur gerade zur Verfügung stellt, gefüllt hat. Wir dagegen sind noch ganz am Anfang, basteln an unseren Hochbeeten für eine eigene Kartoffelernte, lediglich dem Bärlauch als Frühjahrs-Wald-Gabe haben wir begeistert Beachtung geschenkt und etliche Mahlzeiten beinahe von der Hand in den Mund mit ihm bestritten. Da sitzt also noch viel drin in den nächsten Jahren.   

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Kommentare: 2
  • #1

    Nüket (Dienstag, 15 Mai 2018 14:26)

    Möge euer Tisch immer reich gedeckt sein mit selbst geernteten Gaben der Natur.

  • #2

    Susanne (Mittwoch, 16 Mai 2018 11:08)

    Liebe Anja, ich war bei deiner Buchvorstellung auf dem Elbers Hof, habe dein Buch erworben und es mit viel Interesse gelesen. Es hat mir sehr gut getan, denn es hat mich dazu gebracht, wieder bewusster und achtsamer mit mir, meinen Mitmenschen und der Natur umzugehen, und noch mehr darauf zu achten im Hier und Jetzt zu sein.
    Ganz herzlichen Dank dafür. Deinen Block finde ich berührend und ich folge ihm mit großem Interesse. Liebe Grüße Susanne
    Liebe Grüße Susanne.