So steht es geschrieben, so wird es geschehen

Als wir vor drei Jahren in den Wald zogen und unser entkerntes Blockhaus ausbauten, waren wir noch bestrebt, uns zu versichern, dass unser Schritt nichts besonderes ist, man alles hat, was man braucht (oder eher zu brauchen glaubt)und im Grunde lebt, wie die anderen. Das beruhigt die Nerven, denn nur ganz seltene Menschen sind fähig, sich mehr als einen Schritt vom Normalen zu entfernen. Sicher fühlt man sich als Teil der Gemeinschaft oder zumindest dem Üblichen auf Tuchfühlung verhaftet. Wie mächtig diese Gefühle sind und wie willfährig sie einen auch in scheinbar unbedeutenden Dingen machen können, kann jeder bei sich feststellen, wenn er sich in einer besonderen Situation oder nicht einmal in einer solchen vor die Wahl gestellt sieht. Daher hätten wir damals auch dann nicht mit einem Waschzuber für alle nassen Verrichtungen geliebäugelt oder eine Trockentoilette in Erwägung gezogen, wenn uns beides schon als Möglichkeit präsent gewesen wäre, sondern haben Bad und Küche zwar minimalistisch aber herkömmlich eingerichtet. Heute sind wir emotional sicher in unserem neuen Leben verankert und empfinden von diesem festen Standpunkt aus weitere Schritte nicht mehr mutig, sondern nur folgerichtig. Das Gästehaus wird deshalb archaisch eingerichtet mit einer Zinkwanne fürs Geschirrspülen, die Hand- und die Katzenwäsche oder auf den Boden gestellt für ein Sitzbad. Nachbarschaftliche Skepsis, dass Gäste aber auf gewisse Annehmlichkeiten nicht verzichten wollen, haben wir mit selbstbewusster Handbewegung weggewischt: In unseren Garten kommen eben nur die Harten. Und auch die Trockentoilette ist inzwischen für unser Gefühl nicht mehr ungewöhnlich, sondern nur vernünftig. Im Gegenteil erscheint uns nun die Vorstellung abwegig, dass 30 % unseres Trinkwassers mit der Toilettenspülung einer kostenintensiven und sicher nicht nur umweltfreundlichen Wiederaufbereitung zugeführt wird. Das ganz besonders, da wir einen Garten haben, für dessen kargen Waldboden jegliche Art von Humus eine Bereicherung darstellt. Die Trenntoilette werden wir daher gleich in Serie produzieren: fürs Gästehaus, für uns und für Nachahmer. ("Gut gebrüllt, Löwe", meinte mein Mann beim Lesen und ich entgegnete: "So steht es geschrieben, so wird es geschehen!" :-))

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Kommentare: 2
  • #1

    Nüket (Mittwoch, 23 Mai 2018 16:12)

    diese spartanische Ausstattung schreit förmlich nach Dr. Bronner's soap.
    Wie wäre es noch mit einer Außendusche bei annehmbaren Temperaturen?

  • #2

    Anja (Donnerstag, 24 Mai 2018 07:40)

    Den Schrei habe ich auch vernommen und wenn sie mir in die Hände fällt, werde ich zugreifen. Vielleicht stoße ich passend dazu auch noch auf eine Seifenschale zum Einhängen in den Bottich. Und die Außendusche steht bereits ... im Kopf :-).