Von der Leichtigkeit

Manchmal kann ich sie spüren, die Leichtigkeit des Seins. Wenn die Sonne scheint, das Wasser im Gartenschlauch von ihr erhitzt gerade lange genug warm ist für eine schnelle Dusche, wenn ich mir tropfnass nur etwas überwerfe und derart erfrischt in der Hängematte, die mich wie ein Kokon umschließt, wiege. Dann schiele ich durch den winzigen Spalt zwischen dem sich beinahe schließenden Stoff zum Himmel, sehe die mächtigen Kiefern, die mich tragen, unglaublich hoch hinaufragen, die Kronen bewegen sich sanft im Wind und plötzlich erinnere ich mich wieder: so einfach ist das Leben und so schön! Eckard von Hirschhausen meint: "Es ist einfach, glücklich zu sein. Schwer ist nur, einfach zu sein." Einfach sein, ob mit der Betonung auf dem ersten oder zweiten Wort, macht glücklich. Daran erinnert auch die Achtsamkeitsmahnung eines Zen-Meisters: "Wenn ich gehe, dann gehe ich, wenn ich sitze, dann sitze ich, wenn ich esse, dann esse ich." Solange ein Tag aber mehr Notwendigkeiten, Verpflichtungen, Banalitäten und Sorgen mit sich bringt, als freie Stunden, die man, weil die Seele schon ganz langsam geworden ist, genussvoll verplempern kann, solange ist es mit der Achtsamkeit, der Einfachheit leichter gesagt als getan. Daher fürchte ich, der Rabbi hat Recht, wenn er sagt: "Nebbich, menschliches Leben beginnt nicht mit der Zeugung und nicht mit der Geburt, das Leben beginnt, wenn der Hund tot und die Kinder aus dem Haus sind." Im Alter soll die Glückskurve wieder steil ansteigen, heißt es. Es fragt sich also nur, wie kann man alt werden, am besten lange bevor man alt wird.

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Kommentare: 1
  • #1

    Nüket (Montag, 28 Mai 2018 15:16)

    Die Seele baumeln lassen, sehr schön, wenn man es kann!