Von der Hand in den Mund

Den Sauerklee macht uns niemand streitig, die Walderdbeeren dagegen, die auch "einfach so" kamen und sich ebenfalls unverdrossen vermehren, können wir gewöhnlich nicht so schnell pflücken, wie sie die Vögel vertilgen. An diesem Wochenende hatten wir aber Glück und konnten uns eine kleine Ernte sichern. Nicht genug für Marmelade, auch für Kuchen reicht es nicht - wie gut, denn beides kann ich nicht. Aber Sekt mit den roten Früchten veredeln und die Feste feiern wie sie fallen, das können wir beide. Und aus der Not oder dem Unvermögen eine Tugend machen, das kann ich gut. Daher stehe ich nie lange in der Küche und nehme mir Helen Nearing, den weiblichen Teil eines Aussteigerpärchens, das sich in den 30iger Jahren entschied, lieber auf dem Land arm zu sein, als in der Stadt, zum bisher unerreichten Vorbild. Sie, die nicht gerne kochte, schrieb auf vielfaches Drängen ein Kochbuch, das weniger eine Rezeptsammlung ist, als eine Anleitung für ein gutes einfaches Leben, von dem sie selbst meinte, es solle das Thema haben: "Lebe hart, nicht weich, iss hart, nicht weich! Suche nach Basisstoffen in der Nahrung und auch im Leben. Wenn Du nicht hungrig genug bist, um ungesalzenes Popcorn zu essen, oder Brot ohne Mengen von Butter und Marmelade oder Salat ohne ein gewürztes Dressing, warum willst Du dann überhaupt etwas essen? Warum wartest Du nicht, bis Du hungrig bist, ohne Dich nach besonderen Anregungen zu sehnen?" Passend in einer Zeit, in der die eine Hälfte der Weltbevölkerung nicht genug zu Essen hat und die andere mit allen Mitteln der Werbung und der Lebensmittelverfälschung auf den Geschmack gebracht wird.

Das Buch von Helen Nearing ist im Internet verfügbar. Hier der Link dazu:

http://79.170.40.49/watercar.ch/gesundheit/Nearing,Helen-Rezeptbuch_des_guten_Lebens-Ein_Koch-Lesebuch%281980,208S.%29.pdf

Viel Freude beim Hineinschnuppern!

Kommentar schreiben

Kommentare: 0