Man wächst mit seinen Aufgaben

Als der Bauer um die Ecke seine restlichen Gemüsepflänzchen fast geschenkt losschlug, konnten wir nicht widerstehen und brachten kurz entschlossen rund 30 Kohlsetzlinge nach Hause: Rotkohl, Spitzkohl und Kohlrabi sind auf jeden Fall dabei, vielleicht überrascht uns auch noch Weißkohl und Blumenkohl. Aber wo sollten wir sie alle unterbringen? Mit einem ausgewachsenen Kopf vor Augen, wusste ich, ihr Platzbedarf ist enorm. Zuerst mobilisierte ich alle Kisten, Körbe, Tonröhren, die ich finden konnte, und befüllte sie mit Mutterboden. So fand eine Handvoll der Pflänzchen einen Platz. Den Rest nahm Werner zum Anlass, das schon lange geplante Hochbeet zu bauen. Pfähle hatten wir noch von der Errichtung des Zauns genug und die urwüchsigen Bonanzabretter, die in der Nachbarschaft preiswert angeboten worden waren, warteten schon eine Weile auf ihre Bestimmung. Den sonnigen Platz neben dem Gästehaus bei den Kartoffeln bestimmten wir noch gemeinsam, dann verzichtete Werner, da mein Talent zur Hilfswilligen nur rudimentär ausgebildet ist, bis auf das einmalige Halten der Pfosten fürs Einschlagen, gern auf meine Unterstützung und widmete sich der Sache allein (dann wird's auch anständig :-)) - während ich, ungeduldig meine Schützlinge in die Erde zu bekommen, auf die Schnelle eine Kiste aus übrig gebliebenem Leimholz zusammenzimmerte. Den Rat zum Auskleiden von Hochbeeten mit Folie, haben wir schon bei den Kartoffelbeeten ignoriert, da uns die Vorstellung abstößt, dass überall in unserem Garten Plastik verbaut werden soll und unser Gemüse dann doch wieder nicht ohne Kunststoff auskommt. Zum Schutz vor Wühlmäusen, und den aus dem Boden nach oben wachsenden Wurzeln der Bäume und Blaubeeren vertrauen wir daher auf Jutestoff, den wir in einer großen Rolle erstanden haben. Das Holz wird durch ihn zwar kaum geschützt, aber es wird schon einige Jahre Bestand haben, bevor die ersten Latten nachgebessert werden müssen. Natürliches ist eben nicht für die Ewigkeit gemacht und ein Garten bleibt immer Aufgabe und Arbeit. Auf eine mehr oder weniger kommt es da nicht an.

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Kommentare: 3
  • #1

    Nüket (Sonntag, 10 Juni 2018 13:45)

    Wow, was für eine Arbeit! Gemäß: Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot/Kohl essen, bis dass du wieder zu Erde werdest, davon du genommen bist. Denn du bist Erde und sollst zu Erde werden. Weiterhin gutes Gelingen sowie später eine gute Ernte.

  • #2

    Gerlinde (Sonntag, 10 Juni 2018 23:14)

    Wie sollen Regenwürmer etc den Boden im Hochbeet besiedeln, wenn es mit Folie verkleidet wird?
    Gutes Gedeihen den anspruchsvollen Pflanzenkindern - Kohl ist ein sog Starkzehrer, drücke die Daumen!

  • #3

    Stefanie (Montag, 18 Juni 2018 23:01)

    Toll, Ihr tut es einfach, was Euch da so an Möglichkeiten ins Leben rollt. Und ich glaube zunehmend, dass Leben genau so geht: einfach machen. Zumindest ist man dann um eine Erfahrung reicher, und in Eurem Falle gewiss auch um diverse Kohlköpfe. Mal davon ab sehen Rotkohlpflänzchen in Tonröhren einfach entzücken aus! Weiter so!