Kaisergemüse

Früher war auch nicht alles besser, z.B. hätte ich im Mittelalter meine wunderbaren, täglich frisch geernteten Zuckerschoten gar nicht essen dürfen, denn sie galten als edel und waren dem Adel vorbehalten - eine Kaiserschote halt. Da schüttelt Mensch den Kopf ob solch wundersamer Marotten, die die feinen Unterschiede herausstreichen und dem gemeinen Volk seinen Platz im Gefüge der Welt zuweisen sollten. Der Stand machte den Unterschied und ohne Rebellion war das nicht zu ändern. Heute dünken wir uns erhaben über undemokratische, unvernünftige und ungerechte Zustände. Jetzt sind wir alle gleich, sagt man. Und wer nicht so gleich ist, ist tüchtiger. Kannste was, haste was! Haste was, biste was! Haste nix, haste auch nix zu sagen! Eine Faustformel zum Zähnezusammenbeißen und fleißig sein. So sind wir alle potentiell Tüchtige und Gleiche auf dem Weg zum Besseren. Den Gegner verorte ich nirgenwo anders mehr als in mir selbst. Ich bin mein eigener Feind und den gehe ich nicht an. So bleibt der Fehler im System wo er schon immer war und nur die Zuckerschoten sind andere geworden. 

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    G. (Donnerstag, 28 Juni 2018 16:52)

    Nicht gleich auf den Kriegspfad gehen- Kaiserschoten= eines Kaisers würdig, auch dem verwöhntesten Gaumen ein Genuss ! Wohl dem, der Zuckerschoten im Garten hat!