Lumpenpuppen

Womit Männer sich so abfinden ... z.B. mit dem unwiderstehlichen Drang vieler Frauen, ihr Zuhause zu dekorieren. Auch mein Mann - selbst recht pragmatisch - muss sich ansehen, dass unser Garten (wenigstens lässt sie das Haus in Ruh'! :-)) nicht nur eine Ansammlung von schönen und/oder nutzbringenden Pflanzen ist, sondern darüber hinaus auch noch zur Spielwiese kreativer Anwandlungen wird. Aber ganz nach dem Motto "Was schert es eine deutsche Eiche, wenn sich das Wildschwein an ihr wetzt" bleibt er gelassen. Ich hoffe, dass unser rund vier Meter großer eichener Jungspund es auch schon zu dieser, ihrer Art sprichwörtlich nachgesagten, überlegenen Geisteshaltung gebracht hat. Denn sie ist Hauptleid-Tragende im wahrsten Sinne des Wortes, wenn ich ihr zu meinem Vergnügen allerlei Spielereien an die Äste hänge und sie ungefragt in alter Tradition in einen Wunsch-Wunderbaum verwandele. Angefangen hat es mit dem Birkenast, der wie eine Schaukel im Baum hängt und an den ich nach und nach alle Bänder knote, die ins Haus schneien: Gürtel von Sommerkleidern, die keinen brauchen, bunte Schnüre von Verpackungen, Bänder von liebevoll dekorierten Mitbringseln. Alles was zu schade zum Wegwerfen und in geordneten Haushalten sorgfältig aufbewahrt und wiederverwertet wird, in weniger strukturierten in einer Rummelschublade in Vergessenheit gerät, binde ich an den Birkenstock, der jetzt schon Geschichten erzählen kann von Geschenken, Käufen und Nebensächlichkeiten. Der wild gewundene Ast daneben fiel beim Rückschnitt unseres Korkenzieherhasels an und war zu schade, um auf dem Kompost zu enden. Mit einem Filzband habe ich ihn etwas aufgepeppt. Und die Weidenkugel kam gleich am Anfang in unseren Garten. Sie bildete mal den Kopf des archaischen zweibeinigen Ast-Wesens, das lange an den Stamm einer Kiefer gelehnt stand. Noch neu sind die beiden Lumpenpuppen, die ich aus Stoffstücken - abgeschnitten von der Rolle mit Jute für die Hochbeete - gefertigt habe. Unter dem Kopftuch aus Putzlapppen haben sie einen fast unsichtbaren "Pin im Kopf", um sie aufhängen zu können und seitdem stellen sie für mich zwei verrückte, alte, weise Frauen dar, die sich vom Wind schaukeln lassen und unberührt vom Irrsinn der Welt leise vor sich hin kichern. Und dann könnte ich sie beneiden um diese andere Art einer überlegenen Geisteshaltung.    

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Kommentare: 2
  • #1

    Susanne (Mittwoch, 18 Juli 2018 12:27)

    Du hast aber auch immer tolle Ideen.
    Ich finde es passt in euren "Waldgarten".

  • #2

    Stefanie (Samstag, 21 Juli 2018 08:17)

    ... und ich beneide Dich um Deine wirklich tollen Ideen - und die Energie diese auch umzusetzen! Weiter so!