Hauseinweihung

Wenn man einem Sohn und seiner frisch Angetrauten auf der Hochzeitsreise, die mit dem Fahrrad quer durch Deutschland führt, für ihren Zwischenstopp in der Heide pünktlich eine Hochzeitssuite in Form eines Gästehauses zur Verfügung stellen kann, ist das in doppelter Hinsicht Grund zum Feiern. Besonders wenn man mit dem ersten überrascht wurde und das zweite nur in letzter Minute besenrein bekam. Immerhin, es ist ein eigenes Dach über dem Kopf und für wenig verwöhnte Zeltkampierer Luxus, auch wenn das Bad mitten in der Fertigstellung, die Küche nicht einmal angedacht und die Einrichtung unvollständig ist. Aber in diesem herrlichen Sommer, in dem man sich an mediterrane Gefilde erinnert fühlt und südliche Lebensart übernimmt, schwindet die Bedeutung fester vier Wände sowieso. Der Garten ist wie ein großes Wohnzimmer und das Leben leicht und unkompliziert. So müsste es immer sein: viel Zeit, viel Wärme und Gründe zum Feiern. Dass es nicht so ist, muss wohl daran liegen, dass der Mensch nach Goethe "nichts so schwer erträgt, wie eine Reihe guter Tage." Dann sind wir etwa selbst Schuld, wenn das Leben nicht zum immerwährenden Fest gerät?

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Kommentare: 1
  • #1

    Nüket (Samstag, 21 Juli 2018 15:37)

    Das ist ja die schönste Hauseinweihung, die man sich vorstellen kann. Meine herzlichen Glückwünsche an das Paar und die Eltern. Wenn sie so genügsam sind, wie sie geschildert werden, dann sollte dieser Spruch gut passen: "Das Glück gehört denen, die sich selbst genügen. Denn alle äußeren Quellen des Glückes und Genusses sind ihrer Natur nach höchst unsicher, misslich, vergänglich und dem Zufall unterworfen." Arthur Schopenhauer