Von Hölzken auf Stöcksken

Kaisermantel auf dem Flieder in unserem Garten: Einer der Großen. Er lebt im Wald. Seine und seiner Frau Eier kleben an den Stämmen der Kiefern und ihre gefräßige Brut macht den Veilchen im Moose den Garaus.
Kaisermantel auf dem Flieder in unserem Garten: Einer der Großen. Er lebt im Wald. Seine und seiner Frau Eier kleben an den Stämmen der Kiefern und ihre gefräßige Brut macht den Veilchen im Moose den Garaus.

Gerecht geht es nicht zu in der Welt. Was mag sich die Natur nur dabei gedacht haben, eine der hübschesten Spezies dieser Erde aus so wenig eleganten und zudem unangemessen gefräßigen Raupen entstehen zu lassen, die fähig sind, Kahlschläge (so geschehen bei meinen Kohlpflänzchen) anzurichten. Da muss man schon sehr ignorant sein oder ohne Gewissen geboren, um ganz unschuldig in aller Pracht und Schönheit wie der Kaisermantel mit elitärem Namen aufzutreten, durch ein kleines Blumenparadies zu taumeln als hätte man keine räuberische Vergangenheit, sich unschuldig all der Schönheit zu erfreuen und am Nektar, der Nahrung der Götter, zu laben. Wenn Hermann Hesse Recht hat, dass alles Sichtbare ein Gleichnis ist und ein offenes Tor, durch das man ins Innere der Welt zu gehen vermag, wo "du und ich und Tag und Nacht alles eines sind", dann passt es schon. Dann gibt es keine Gerechtigkeit, solange man einzelne Erscheinungen getrennt von anderen betrachtet und sie gegeneinander abwägt. Verständlich wird es erst, wenn man alles wie eines betrachtet, so wie man auch nicht erbittert darüber ist, wenn Gehirnzellen länger leben als Hautzellen, einige brutal zerstört werden, andere einen leisen sanften Tod sterben, sich manche in der Sonne wärmen, während andere im Dunkeln bleiben. Gerecht ist das nicht, scheint es - egal ist es. Denn sie gehören ja alle zu mir. Ihr Sinn gehört nicht ihnen, ihr Sinn gehört mir. Ich bin der Gott meines Körperuniversums, sie dienen mir alle. Schmetterlinge, Tiger, Sumpfdotterblumen, Steine, Flüsse, alles s/m/eins. Nur die Menschen, Ebenbilder der Götter, stiften Unfrieden, wollen so gar nicht an ihrem Platz bleiben, ringen um Anerkennung, gieren nach Macht, streben nach Erkenntnis. Bleibt nur die Frage: ist auch das Teil des Plans? Tun sie, was sie tun müssen? Sind sie die Sollbruchstelle des Ganzen?   

 

 

 

   

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Kommentare: 2
  • #1

    Nüket (Sonntag, 05 August 2018 15:49)

    Bemerkenswert! Vom Abfrass der Raupen zu uns Unheilstiftern zu kommen.
    Was bedeutet: "Ich bin der Gott meines Körperuniversums, sie dienen mir alle."???
    Auch dachte ich immer "streben nach Erkenntnis" wäre etwas gutes, das uns vorwärts bringt.
    Wenn wir "Ebenbilder der Götter" sind, dann haben sich 'die Götter' oder 'Gott' nichts Neues einfallen lassen, sondern sich selbstherrlich geklont = wie einfältig und dann noch nicht mal vorausschauend, wenn wir als Ebenbilder ihre/seine Welt zerstören und sie/er sich damit selbst eliminier-n/-t. Oder denkt 'der anmaßende Mensch', dass er das Abbild 'Gottes' sei? Aber um ehrlich zu sein, verstehe ich ab Hermann Hesse nicht viel. Was willst du damit ausdrücken? Bitte kläre mich auf.

  • #2

    Anja (Montag, 06 August 2018 07:27)

    Der Welt ist unser Streben nach Erkenntnis, die Unterscheidung, das Zerlegen in Bestandteile, statt das Ganze zu sehen, im besten Fall egal? Aber uns soll es ja gemäß der Sache mit dem Apfel gottgleich gemacht haben. Und auf den Gott des Körperuniversums kam ich, als ich irgendwann einmal hörte, dass sich Menschen wie Krebszellen verhalten. Sie haben aufgehört, sich dem Ganzen verpflichtet zu fühlen, wachsen, haben kurze Zeit Erfolg, aber dann kollabiert das System. Eigentlich hatte ich keine klare Botschaft oder gar These. Ich habe nur mit Gedanken gespielt und ich finde, mit dem geklonten Gott hast Du eine Idee beigesteuert.