Küche oder nicht?

Was macht eine Küche zur Küche? Die Koch- oder Backstelle! Das Feuer, Ofen oder Herd, Topf, Pfanne, Löffel, Messer! Oder doch der Thermomix, die Mikrowelle, Kaffee- und Espressomaschine, Milchaufschäumer, Kühl- und Gefrierschrank, Dunstabzugshaube, Geschirrspüler, Toaster, Sous-vide-Garer, Friteuse? Wenn man gelegentlich Bilder aus anderen Ländern und anderen Zeiten sieht, in denen die Küche nur aus einer niedrigen Hitzequelle besteht, vor der die Frau kauert und auf Steinen oder Holzbrettern hantiert und es schafft, eine anständige Mahlzeit zuzubereiten, dann denke ich oft, dass wir es uns viel zu kompliziert machen. Dass all die Dinge, die wir dafür anschaffen, ein Essen herzustellen, das zu allem Überfluss meist auch noch fertig oder halbfertig ins Haus kommt, sich nur zwischen uns und das sinnliche Erleben des Kochens schieben. Vielleicht ist es viel schöner, ganz nah an den wesentlichen Dingen dran zu bleiben mit wenigen Werkzeugen und Zubehör. Sogar die Haltung, klein vor dem Feuer wirkt nur auf den ersten Blick unbequem oder archaisch und für den an Wohlstand gewöhnten und verwöhnten Menschen irgendwie rückständig, so als würde es sich bei einfacher lebenden Menschen um eine Art nicht ganz ernst zu nehmender und bemitleidenswerter Vorfahren handeln. Da ich aber den ganzen Sommer über draußen abgewaschen, dabei das schmutzige Geschirr auf den Kies gestellt, es geschrubbt und mit dem Schlauch abgespritzt habe, weiß ich, wie gut es sich anfühlt, erstens zu hocken wie eine gebärende Frau und zweitens nah am Boden mit den Elementen verbunden zu sein und mit großzügigen Gesten, statt sich zurücknehmend in einer vollgestellten und reinlichen Küche zu wirtschaften. Arbeitsflächen wischen, Krümel und Reste wegfegen entfällt und das Grauwasser versickert in der Erde und wird von den verschiedenen Bodenschichten und den Organismen darin gefiltert. All diese Überlegungen haben uns bewogen, im Gästehaus vom "Kreativteam" eine Einbauküche der spartanischen Art anfertigen zu lassen: Geschwungene Arbeitsflächen, Regalbrett darunter und Ablagefläche vor dem Fenster (Feinschliff und eine letzte Ölung stehen noch aus). Die Kochplatte wird eingebaut, das Wasser holt man sich nebenan im Bad, bzw. der Waschküche, wo man - wenn nicht draußen - auch abwaschen kann. Schneidebrett, Messer, Topf und Pfanne und was man sonst so braucht sammeln wir zusammen. Fertig ist die Küche!

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Kommentare: 1
  • #1

    Gerlinde (Dienstag, 28 August 2018 21:06)

    Für Gäste das Beste - bewährter Grundsatz! Ich plädiere für ein Spülbecken!