Stehrümchen

Ich mag die Architektur der Shaker, ihre Einrichtung, ihre Möbel, das Dezente, Natürliche. Der leere Raum, nur mit dem Notwendigen bestückt. Berühmt sind ihre schlichten Schaukelstühle, die Shaker-Leiste zum Aufhängen, die unauffälligen Einbauschränke und die kunstvoll gearbeiteten Holzschachteln zum Unterbringen der wenigen Dinge, die sie besitzen. "Mache nichts, was nicht nützlich ist" legte die Gründerin ihren Glaubensbrüdern und -schwestern ans Herz und dass das Wenige mit Sorgfalt, Liebe und viel Sinn für das maßvoll Schöne gemacht wird, weil man Gott auf Erden eine anständige Handwerks-/Arbeit schuldete, muss fast nicht hinzugefügt werden. Nach Stehrümchen stand und steht ihnen nicht der Sinn. Bei uns scheint es genau umgekehrt zu sein. Kaum einer beschränkt sich auf das Minimale. Von allem viel und mehr ist noch immer die Devise. Wer nicht im Glauben lebt und wer tut das noch, braucht das Materielle, um sich des Lebens sicher zu sein und sich das Gefühl der Endlichkeit vom Leib zu halten. Eine Freundin meinte gestern halb spöttisch: (Sind die Schränke voll ...) "kann es noch nicht vorbei sein." Denn wie Novalis bemerkte: (Erst...) "durch den Tod wird die Reduktion vollendet." Ich habe, also bin ich. Das beruhigt. Und daher ist an jedem Staubfänger vorbeizugehen nicht leicht. Makellose zen- oder shakermäßige Leere bewundere ich wohl, ganz umsetzen kann ich sie nicht. Dann sind Kompromisse gefragt. Wenn mir also recht unnütze Kristallleuchter ins Haus flattern, werden aus den Stehrümchen mir nur noch halb gehörende, weil dem Draußen vermachte und sich den Gesetzen der Natur einfügende, Lichtbrecher, die wunderschöne Regenbogen zaubern. Und als Staubfänger taugen sie dann schon deshalb nicht mehr, weil Wind und Regen das Putzen übernehmen und die Sonne entzündet Lichter in ihnen, auch ohne dem Arrangement noch Kerzen hinzugefügt zu haben.  

Kommentar schreiben

Kommentare: 0