Stellungskrieg

Zum Vergnügen kam sie nicht. Die Lebensbedingungen in ihrer Heimat passen viel besser zu ihr. Die Nordamerikanische Traubenkirsche wurde verschleppt. Sie sollte den Holzertrag unserer Wälder erhöhen. Womit aber niemand gerechnet hatte, sie lässt sich nicht vermarkten. Sie ist ein wildes Geschöpf. In Obedience, in korrekter Unterordnung wie ein dressierter Hund, lässt sie sich nicht halten. Sie bricht aus und macht ihr eigenes Ding, frei nach dem Motto: Brave Traubenkirschen kommen ins Sägewerk, böse überall hin. Inzwischen bevölkert sie giftig die Wälder und hat mehr als ein Leben. Während Mensch noch denkt, er wäre ihrer Herr, treibt sie schon wurzelbrütend neu aus und wird dabei immer erfolgreicher. Soviel Freiheitsdrang, Eigensinn und Lebenswille hat ihr Ansehen ruiniert. Ihr Ruf eilt ihr voraus und so hatten wir von der Gefahr aus dem Wald bereits gehört, kaum dass wir der ersten Traubenkirsche ansichtig wurden. Jetzt gelten sie als Schädlinge, denen man glaubt, nur noch mit Gewalt beikommen zu können. Einhellige Meinung und Rat an uns: Ausreißen mit Stiel, Stumpf und Wurzel. Der Mensch verliert nicht gerne die Kontrolle und von wilden kleinen Traubenkirschen lässt er sich schon gar nicht auf der Nase herumtanzen. Also führt er Stellungskriege – hier und an all den vielen anderen Ecken dieser Welt. Solange, bis es ihm über den Kopf wächst.

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Ammo (Montag, 17 September 2018 16:19)

    Sind die Kirschen eigentlich essbar?

  • #2

    Anja (Montag, 17 September 2018 16:27)

    Warte bis zum nächsten Beitrag :-) ...