Hüben und drüben

Die gesamte rückwärtige Grenze gehört ursprünglich zum Gästehausgarten, der wie unserer auch, eine dreieckige Grundform hat. Der Garten unseres Hauses läuft nach hinten spitz zu und mündet halb verborgen von der kleinen Hütte in einer schmalen Gartenpforte, die nun nicht mehr existiert. Das Grundstück des Gästehauses schmiegt sich an unseres, teilt mit ihm die längste Seite des Dreiecks, verjüngt sich dagegen aber zum Eingangstor. Zusammen bilden die Gärten ein Quadrat. Lange habe ich, wohl zum Selbstschutz, zwischen hüben und drüben unterschieden, um mir das unfertige Zwischenstadium des neuen Grundstücks seelisch vom Hals zu halten. Nun ist das Gästehäuschen frisch gestrichen, auch innen auf dem Weg der Fertigstellung und der Garten vorne und an der rechten Seite gewinnt mit jedem Beet. Es wächst mir ans Herz und ich bin bereit, die unsichtbare, lediglich in meinen Gedanken vorhandene Trennung aufzulösen. Nur der hintere Bereich des Gartens liegt bis auf den schmalen Streifen Beet entlang des Zauns, den wir mit Büschen, Bäumen und Kletterpflanzen bestückt haben, noch brach und ist mir ein Dorn im Auge. Besonders der langgestreckte Hügel bildet einen markanten, aber ungestalteten Punkt. Er besteht aus allem, was an Biomasse im Gästehausgarten anfiel: Zweige der gefällten Kiefern und Fichten, Unmengen Unkraut, Teile der Benjeshecke, die einmal die beiden Grundstücke trennte, vergessene und halb verrottete Bohlen aus Bodensenken, unbehandelte Bretter der von einer umgestürzten Kiefer erschlagenen Nurdachhütte, Baumstubben, abgetragene Erde etc. Mit den Kiefernadeln aus beiden Gärten wächst er nun weiter. Allein mit den in den letzten Wochen dank erster Herbstwinde heruntergefallenen Nadeln konnten wir ihn um mehr als ein Dutzend Schubkarren voll aufstocken. Und ein Ende ist nicht abzusehen, denn die Buchen, Birken und Eichen, sowie alle Büsche stehen noch in vollem Laub. Um die Sache nicht ausufern zu lassen, hat Werner schon einmal damit begonnen, Findlinge vor den Berg zu rollen und aufzuschichten. Ein erster Schritt in Richtung Gestaltung ist also getan. Aber damit wir nicht irgendwann, statt von hüben und drüben zu sprechen, zwischen vorne und hinten, hui und pfui unterscheiden müssen, braucht es noch einen zündenden Einfall für eine attraktive Hügelnutzung. Wem etwas einfällt ...      

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Nüket (Mittwoch, 10 Oktober 2018 15:31)

    ein Hügelbeet?