Ein armer Tropf oder wider die Mutlosigkeit

Ein langersehnter Anblick: Das Regenfass an der hinteren Ecke des Hauses ist wieder voll. Den Sommer über stand es nutzlos unter dem Ablauf der Regenrinne. Nur selten hatte es etwas zu tun und wenn es doch einmal Arbeit gab, war es umständehalber erkrankt und nicht zu gebrauchen. Dann sickerte das wenige kostbare Nass, das es auffangen sollte, zwischen seinen ausgetrockneten Dauben gleich wieder hindurch. So wartete das alte Fass auf bessere Zeiten und die kamen mit der letzten Regenperiode. Nun ist es regeneriert, sein Holz gewässert und ausgedehnt. Es hält dicht und hat schnell eine kritische Wassermasse in sich versammelt. Ein einziger Tropfen genügt nun, um es zum Überlaufen zu bringen. Und um dieses Wunder zu bewirken, bedarf es nicht einmal eines ganz besonderen Tropfens. Er muss nicht größer, strahlender, schöner sein oder kraftvoller plätschern als all die anderen vor ihm. Es reicht, dass es ihn gibt und dass er zur rechten Zeit am rechten Ort ist. Auch muss er von seiner Sonderrolle im Lauf der Geschichte nichts wissen. Wenn ihn die Überschwemmung mitreißt, wird er weiter glauben, er wäre ohne Bedeutung und nur ein armer Tropf unter vielen.            

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Kommentare: 1
  • #1

    Nüket (Mittwoch, 05 Dezember 2018 15:47)

    Wie so mach einer von uns. Aber Dummerweise hinterlassen wir dennoch mehr schlechte als gute Fußabdrücke.