Kabasch radah oder die Macht der Worte

Wer in der Lüneburger Heide lebt, trifft sie überall: Schafe! Kleine Grüppchen stehen auf den Weiden zusammen, dicht gedrängte Haufen ziehen immer wieder einmal überraschend schnell und still während eines Spaziergangs vorüber und bei unseren Wanderungen in den Naturparks sehen wir oft in der Weite der Landschaft eine riesige Herde, überragt von der Gestalt des Schäfers im langen dunklen Mantel, von unermüdlichen Hütehunden umrundet. Ein friedlicher Anblick. Meist sind es Heidschnucken wie oben im Bild, die hier unterwegs sind und die anders als ihr Name denken lässt, keine Schnökerinnen, Schnucken oder Nachkatzen, sondern an die harten Bedingungen in der offenen Heide angepasste, widerstandsfähige und äußerst genügsame Tiere sind, zufrieden mit dem Wenigen, das auf dem mageren Boden wächst. Sie verhindern das Zuwuchern einer Kulturlandschaft, die im Laufe der Zeit durch die Rodung des ursprünglichen Baumbestandes und das Abtragen der oberen Bodenschichten als Dung für die Felder entstanden ist. Jetzt wird sie von der Besenheide, Wacholder und einzeln stehenden Hutebäumen beherrscht und bietet vielen seltenen Pflanzen und Tieren einen einzigartigen Lebensraum. Als eine vom Menschen geschaffene und von Schnucken gepflegte Landschaft könnte sie als Paradebeispiel für die Umsetzung des biblischen Auftrags "kabasch radah" gelten, dessen Auslegung "Macht Euch die Erde Untertan" bisher Herrschaft und Raubbau legitimierte, in feinsinnigerer Interpretation dagegen "Kultiviert das Land und behütet es wie ein Schäfer seine Schafe" bedeutet. Hätte man diese Worte in die Herzen der Menschen gepflanzt, vielleicht wäre es anders gekommen.   

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