Ein Lied in allen Dingen

 

Hinter dem Haus, nur durch ein schmales Pättken von unserem Grundstück getrennt, liegt zwischen Wald und Auen ein Fleckchen Schonung. Eingefriedet mit einem Wildzaun wächst dort was will: Kiefern, Birken und Buchen, die vielgeschmähten Traubenkirschen, Haselnuss, Blaubeere und anderes Kraut. Locker verteilt stehen vereinzelt erwachsene Kiefern dazwischen wie gute Mütter, die ein Auge auf ihren Nachwuchs haben. Wucherndes Brombeergestrüpp mit dornenbesetzten Ranken füllt wehrhaft die Lücken am Boden und macht das Areal mehr noch als die Umzäunung selbst undurchdringlich. Der Mensch bleibt außen vor. Am Rand des Geländes, den Zaunpfosten aufgepfropft, ragen, als wären sie zur Bewachung des Wildwuchses zurückgelassen, drei archaische, aus Holzstämmen grob gehauene Gestalten auf. Wie mächtige Zauberer können sie einem erscheinen, wenn man ihrer unvorbereitet gewahr wird und sich von ihrem grimmigen Blick getroffen fühlt. Nur wer genauer hinschaut, der sieht ein Lächeln in ihren langen Gesichtern. Es sind sanfte Riesen, die dort stehen. Sie wachen nicht, sie träumen, sie lauschen vielleicht auf das "Lied in allen Dingen", das auch ich hören könnte, träfe ich "nur das Zauberwort", von dem der romantische Dichter Eichendorff wusste und das zu suchen und zu finden für uns alle so wichtig wäre. 

 

 

 

 

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