Goldregen

"Du fotografierst Dinge, die gibt es gar nicht", meinte Werner, als er das Bild sah, das ich gestern zur Blauen Stunde von unserem Haselstrauch machte. Und wirklich, plötzlich gleicht der Hasel mit seinen lichtdurchfluteten Blütenständen einem märchenhaften Goldregen, unter den man sich stellen möchte. In solchen Momenten scheint die Kamera eine sonst verborgene Wirklichkeit einzufangen. Als täte sich die Pflanze auf, um für einen Augenblick ihr wahres Wesen in einem poetischen Bild zu enthüllen als Botschaft von einer Seele zur anderen.

Und mit einem Mal bekommen auch überlieferte Anleitungen zum Pflücken von Heil- oder Zauberpflanzen ihren Sinn zurück. Man wusste wohl, sie geben sich nicht immer zu erkennen, sprechen nicht zu jeder Zeit mit uns: Eine Jede hat ihre Stunde, ob es die blaue, oder die mitternächtliche ist, ob im Morgengrauen, bei Vollmond, am Johannistag oder sogar nur in jedem siebten Jahr. Wer sich von ihnen verwandeln lassen möchte, muss nicht nur Geduld haben und die rechte Stunde abwarten, er muss auch bereit sein sich auf den Weg zu machen, äußerlich und innerlich. Manchmal nur in den dunklen Wald oder in die offene Heide, wenn der Mond silbern scheint, manchmal weiter, manchmal ein Leben lang. 

PS. Aus einem Zweig des Hasels lässt sich eine Wünschelrute machen, mit der sich Schätze aufspüren lassen.

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Kommentare: 2
  • #1

    G. (Montag, 14 Januar 2019 23:28)

    Du übertriffst Dich jedesmal neu! Bin sprachlos vor Staunen und Bewunderung!

  • #2

    Ammo (Donnerstag, 31 Januar 2019 14:11)

    Hammer Foto!