Galloway

Die große Herde Galloway-Rinder, die auf einer Weide am Rand meiner üblichen Anouk-Runde Einzug gehalten hat, ist schon von weitem zu sehen. Aus einiger Entfernung kann man sie beinahe für wildlebende Bisons halten, so dunkel und vielköpfig ist die Schar. Ein beeindruckender Anblick, der einen auf Abstand halten könnte. Kommt man jedoch näher, verfällt man augenblicklich dem Charme ihrer bärenhaften, gutmütigen Ausstrahlung. Ihre gedrungene Gestalt, das dicke, zottelige, schwarz, weiß oder rotbraun gefärbte Fell und die von Löckchen gerahmten massigen Köpfe lassen sie fast wie übergroße Kuscheltiere erscheinen. In kleineren oder größeren Grüppchen wandern sie gemächlich, gelegentlich auch strammen Schrittes, als wäre ihnen gerade etwas Wichtiges eingefallen, über ihr ausgedehntes Terrain. Dann stehen sie wieder beieinander, manchmal Maul an Maul, wie vertieft in ein stummes Gespräch. Oder sie lecken sich gegenseitig in liebevoller Fürsorge, die sie allen scheinbar unterschiedslos angedeihen lassen, aber doch ganz besonders den Kälbern, die zwischen ihnen laufen - ältere, jüngere und, sogar jetzt im Winter, ganz Kleine, die noch herumtoben wie junge Hunde und lustige Bocksprünge machen. Sie wirken wie alle Kinder dieser Welt, die man lässt, überschwänglich und glücklich da zu sein. Man mag nicht daran denken, dass ihr Leben bald, nicht allzu bald, aber doch zu früh ein Ende findet. Ein Paradies wird ihnen auch hier nicht bereitet, aber in einer Bilderbuch-heilen-Welt kann man eine Mutterkuhherde jederzeit auftreten lassen. Dann wünschte ich mir einen gemeinsamen nicht endenden Boykott aller Produkte aus industrieller Massentierhaltung, denn dass es besser geht, sehe ich bei uns täglich. Und ist erst einmal etwas als falsch erkannt worden, und Grausamkeit gegenüber Mitgeschöpfen fühlt sich grundfalsch an, muss es geändert werden, egal wer aufschreit. Geschrien haben die Leute schließlich schon immer wenn sie ihrer Privilegien beraubt und aus ihrer Komfortzone vertrieben wurden. Ob sie Südstaatler waren, die plötzlich ohne Sklaven auskommen mussten, oder Adelige ohne Leibeigene. Sie alle haben nachgeben und sich besinnen müssen. In der Rückschau wird ihre Zeit dann als barbarisch wahrgenommen. Damit es uns nicht einmal genauso ergeht, sollten nun endlich subventionierte Schweinebarone gezwungen werden, ihr einträgliches Geschäft aufzugeben. Ich kann nichts Schlechtes darin sehen. Und dass es uns mit wenig gutem Fleisch besser geht als mit dem Zuviel an schlechtem, das wissen wir im Grunde ja alle.           

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Kommentare: 1
  • #1

    Nüket (Mittwoch, 06 Februar 2019 13:45)

    Subventionspolitik, 'Geiz ist geil' - und nach uns die Sintflut-Mentalitäten machen aus uns bereits Barbaren. Das Sägen an dem Ast, auf dem wir sitzen, ist leider zu salonfähig.