Was das Haben mit dem Sein macht

Beispiele, um über das Leben zu grübeln, finden sich in der Natur zuhauf und anders als bei vorbildlichen Menschen wird die deutliche Botschaft nicht durch zu berücksichtigende Lebensgeschichten, Persönlichkeitsmerkmale oder die eigene Beziehung zu ihnen in einen emotionalen Balanceakt verwandelt oder zu einem facettenreichen Verwirrspiel. Ein Stein ist ein Stein und die ihn umschlingende Wurzel meint es weder gut noch böse. Und so lässt sich über Festhalten und Gehaltensein einiges lernen. Der Stein, hier passiv und wehrlos, bleibt doch unverletzt und ganz. Er wird beschützt vor der Welt, kommt aber nicht in ihr herum. Weder kann er aus der Erde "wachsen", noch sich rollend fortbewegen, nicht mit dem Boden gleiten und auch nicht auf ein Transportmittel setzen, das ihn als ein scharrendes Tier verschiebt oder ihn als Mensch dreht und schubst, ihn mitnimmt, ihm eine Aufgabe gibt oder fortwirft. Ihm bleiben die angenehmen wie die unangenehmen Erfahrungen erspart. Ein Leben abseits aller Möglichkeiten. Immerhin, die Zeit arbeitet für ihn. Er überlebt den Klammergriff seines Wärters um viele tausend Jahre und wird dann doch noch einiges zu erzählen haben. Die Wurzel dagegen ist aktiv, sie ergreift Besitz und hält fest. Aber frei ist sie jetzt nicht mehr. Sie wächst um die Dinge herum, passt ihre Entwicklung in Form und Richtung an und wird deshalb verwundbar, wenn sie loslassen soll. Erst im Sterben fallen ihr die Dinge aus den Händen.      

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Kommentare: 2
  • #1

    G. (Dienstag, 19 Februar 2019 13:29)

    Wem würde ein solch genialer Titel beim Anblick dieses Naturarrangememts einfallen?!? Wer würde es überhaupt bemerken? Danke für diese Betrachtung!

  • #2

    Nüket (Mittwoch, 20 Februar 2019 14:51)

    Achtsamkeit, es sind immer die kleinen Dinge im Leben, die großes bewirken können. Und wer mit offenen Augen, mit aufgeschlossenem Herzen und Geist die Welt betrachtet, wird auch fündig.