Elternteil 1, Elternteil 2

Kaum etwas verzaubert mich mehr als unberührte Natur und schöne Worte. Als ich daher bei der letzten Radtour auf dem Wassererlebnispfad durch die malerische Landschaft der sanft plätschernden Heideflüsschen eine lyrische Infotafel entdeckte, hallten Zeilen aus Sarah Kirschs Gedicht "Im Sommer" lange in mir nach und verwoben sich mit dem, was mich umgab: "Dünnbesiedelt das Land." Es "liegen die Dörfer schläfrig in Buchsbaumgärten" und "die Katze trifft selten ein Steinwurf" ... man ahnt, die Zeiten ändern sich, aber "noch fliegt die Graugans und der Storch spaziert durch unvergiftete Wiesen". "Wenn man hier keine Zeitung hält, ist die Welt in Ordnung" werde ich bestärkt und wenn sich "in Pflaumenmuskesseln schön das eigene Gesicht spiegelt" ist es mehr als bloßer Schein, man mag sich anschauen, auch unter der Oberfläche. Mit einem Recht auf Nichtwissen ausgestattet, wie es vor kurzem eine Freundin für sich forderte, holt man sich hier ein Stück verlorene Unschuld zurück, bewohnt eine landgewordene Schonfrist.

Aber sie erreichen einen doch, die Mitteilungen aus der menschengemachten Welt und sie wirken wie Fremdkörper, mit denen man nichts anfangen kann. In Frankreich, so höre ich, werden aus Mutter und Vater nun Elternteil 1 und Elternteil 2. Worte, die nichts in mir zum Klingen bringen so neutral, kühl, unangreifbar, gerecht? und tot sind sie. Entkernt aller Gefühle und Seele sind sie unbrauchbar, poetische Landschaften zu erschaffen, die mich verwurzeln. Neusprech-Worte, sie berauben mich meiner inneren Bilder, machen mich heimat- und wehrlos.

Kommentar schreiben

Kommentare: 3
  • #1

    G. (Freitag, 22 Februar 2019 12:27)

    Ein ganzes Kulturerbe wird vernichtet mit Elternteil 1 und 2, und wer soll 1 und wer 2 sein? Schlau ist das nicht - finde ich!

  • #2

    Isabella (Freitag, 22 Februar 2019 14:21)

    Das ist ja furchtbar, was kommt denn da alles auf uns zu, ich verstehe die Welt nicht mehr. Lauter Gender-Wahnsinn, Geschlecht Y, wo sind wir denn hingeraten, haben wir keine grösseren Probleme. Bin ich froh, dass ich schon alt genug bin, ich habe eine andere noch schöne Zeit erlebt, mit gesundem Menschenverstand und intakter Natur

  • #3

    Nüket (Freitag, 22 Februar 2019 15:29)

    Obelix würde sagen: "Die spinnen, die Franzosen!"