Grabeinfassung

Freundliche Nachbarn haben uns ihre alten Buchsbäume geschenkt und Werner hob daraufhin im Garten einen Graben in Nierenform aus, um sie darin als Beetumrandung einzusetzen. Ihre Größe und das zerzauste, mit vielen kahlen Stellen versehene Aussehen der bisher dicht an dicht stehenden und sich bedrängenden Bäumchen ließen uns allerdings das Vorhaben aufgeben und die Büsche lieber einzeln als zukünftig erholte und gut beschnittene Hingucker in den anderen Beeten verteilen. Zurück blieb der Graben und jeder, der weiß, wie viel Mühe es kostet, in den Waldboden eine Kerbe zu schlagen, bringt es nicht leicht fertig, mit den Schultern zu zucken und alles einfach wieder zuzuschütten. So ging es mir auch und daher holte ich aus dem Wald von einem großen Flecken wilder Preiselbeeren Ableger als täuschend ähnlichen Buchsersatz, füllte den Graben mit Mutterboden, setzte die Pflänzchen ein, drückte die Erde vorsichtig an die Wurzeln, und versorgte sie mit Wasser. Dabei kam mir eine Szene aus einem Buch in Erinnerung, das vom Umzug des erzählerischen Ichs und seiner (ihrer) Familie aus einer Stadt im Ruhrpott ins Ländle und ihrer Annäherung an die ganz andere Lebensart der Schwaben erzählt. Den Stadtkindern, in vielen gärtnerischen und haushälterischen Bereichen so ahnungslos wie wir hier, widerfahren zahlreiche, unfreiwillig komische Missgeschicke, die die Erzählerin humorvoll vor dem Leser ausbreitet. So soll einmal der neue Garten vor den neugierigen Blicken der Nachbarn mit einem Sichtschutz versehen werden, wofür die unbedarften Zugereisten ausgerechnet Buchsbaum wählen. Die trockene Bemerkung der Einheimischen, Buchs wachse so langsam, er eigne sich allenfalls als Grabeinfassung, war ein Totschlagargument der besonderen Art und von mir während der Arbeit erinnert, ist es jetzt untrennbar mit dem neu entstandenen Beet verbunden. Da stehe ich also vor "meinem Grab" und frage mich, was sich hier jetzt schon einmal würdig von mir  bestatten ließe, denn nur tot ist man mit einem Schlag, zum Sterben dagegen braucht es ein ganzes Leben und das ist viel Zeit um vieles loszulassen und zu begraben. 

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