Mehr als ein Tropfen

So rettet man die Welt auch nicht. Selbst wenn alle Menschen in unserem Land es mir nachtäten und, statt herkömmliche Spülschwämme aus Kunstsstoff zu benutzen, sich ihre Reinigungsinstrumente aus umweltfreundlichem Material selbst herstellten, es wäre doch nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Daher betrachte ich die hübsche Spielerei oben im Bild auch eher als eine Achtsamkeitsübung, die mich die umweltschädlichen Gebrauchsgüter gewahr werden lässt oder als Rettungsaktion für vom Aussterben bedrohte Hand-Arbeit in einer Welt der fabrikationsmäßig hergestellten massenhaften Hässlichkeiten. "Beten scheef hett Gott leev" hat mich vor einiger Zeit eine Freundin erinnert und genauso geht es mir: Die krummen Dinger sind alles andere als perfekt, aber mir schon ans Herz gewachsen, haben einen die reine Zweckmäßigkeit übersteigenden Wert, weil ich etwas von mir in sie hineingegeben habe. Ein schönes Gefühl, das sich beim Kauf eines Einheitsproduktes nicht einstellt, und nun bewirkt, dass ich das Ding, wie es früher so schön hieß, in Ehren halte. Und das, obwohl die Herstellung denkbar einfach ist. Meine beiden Prototypen bestehen aus einem Stück Jute, das ich um eine Handvoll Schafwolle geschlagen und mit groben Stichen vernäht habe. Schwierigkeitsgrad: simpel. Die Nachfolgemodelle jedoch werden vielfältig und innovativ abgewandelt. Wie wäre es z.B. mit:

"Schäumendes Efeu": Der Schwamm für den täglichen Einsatz gefüllt mit seifenspendenden Blättern.

"Der unverwüstliche Kies" geeignet zum handfesten Gebrauch.

"Die kluge Kastanie" für den mittleren Verschmutzungsgrad mit saponinreichen  Kastanienstückchen.

Alle Modelle sind natürlich vollständig biologisch abbaubar. 

Die Welt ist voller Ideen und Möglichkeiten - es braucht nur Zeit und Muße, sie in sich zu entdecken und umzusetzen ... und eine große gemeinsame Kraft, damit es mehr ist als ein Tropfen auf dem heißen Stein. In diesem Zusammenhang fällt mir ein: Ein Kitaplatz kostet monatlich zwischen ein- und eineinhalb Tausend Euro. Warum geben wir nicht jeder Mutter (oder jedem Vater), die ihr Kind lieber selbst betreuen möchte, dieses Geld. Dann könnten sich all diese von der Lohnarbeit entlasteten Eltern zusammenfinden und gemeinsam mit ihren ebenfalls von der Gleichschaltung in öffentlichen Einrichtungen befreiten Kindern, kreativ und ideenreich für eine bessere Welt einsetzen: Schwämme machen :-), Kleidung nähen, Gärtnern, Kochen, Alte und Kranke besuchen, Feste organisieren, auf die Straße gehen ... Umjubelt und bestärkt von einer sich ihrer Verantwortung wieder bewussten Presse, würde es Kreise ziehen und nicht auszudenken sein, was alles möglich würde.       

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Kommentare: 3
  • #1

    Nüket (Samstag, 09 März 2019 17:50)

    Gestern erst sprach ich mit einem Bekannten, der sich beklagte, dass sein Sohn, der seit seinem achten Lebensmonat in die Kita geht, und seit dem -jetzt ist er ein Jahr alt- unausstehlich ist, darüber, dass man Eltern einen sog. "bedingungsloses" Einkommen geben sollte, damit sie sich in aller Liebe und Zeit persönlich um ihre Kinder kümmern können, wenn sie/er es möchten. Das man diese Zeit natürlich auch für eine bessere Umwelt nutzen könnte, ist mir dabei nicht in den Sinn gekommen. Dafür habe ich DICH, die es immer schafft in uns "Frauen & Männern" einen Moment des Innehaltens, der Aufmerksam- und Nachdenklichkeit zu schaffen. Danke dafür!

  • #2

    G. (Montag, 11 März 2019 12:49)

    Dem Argument unserer Kinder, man kann die Welt mit all seinen Anstrengungen doch nicht retten, habe ich immer entgegengesetzt, aber den Untergang um eine Kaffeelänge aufschieben. Habe mich selbst damit getröstet.

  • #3

    Ammo (Mittwoch, 13 März 2019 15:24)

    Du willst mich wohl arbeitslos machen! :D