Nimm's nicht persönlich

Wenn unsere Kiefern im Sturm mit ihren Ästen wie mit Speeren werfen, kann einem Angst und Bange werden. Dann ist man plötzlich gern bereit, seine anerzogene und gut gepflegte Haltung zu überdenken, wonach der Mensch es ist, der sich in der Position befindet, die Welt zu retten. In Wahrheit ist es gerade umgekehrt. Nicht wir sind es, die mit dem Daumen der zur Faust geballten Hand über ihr Ende oder ihren Fortbestand entscheiden. Die Erde richtet bereits über uns und sobald es ihr beliebt, schüttelt sie uns ab wie ein Hund das Wasser aus seinem Fell. Dass sie es bisher nicht getan und uns eine im Tierreich sonst unbekannte Narrenfreiheit gelassen hat, darf uns nicht täuschen. Während wir noch die ganze Welt als unsere ökologische Nische behandeln, uns allen Anstands, aller Naturgesetze zum Trotz parasitär über die Erde ausbreiten und unser Erbteil verschleudern, statt auskömmlich von den Zinsen zu leben, läuft unsere Schonfrist ab. Wir sind Schädlinge und die Erde, die ganz unsentimental das große Ganze im Sinn hat, meint es nicht persönlich, wenn sie uns den Garaus macht. Sie be- und verurteilt nicht, sie räumt nur auf, stellt die Ordnung wieder her. Was bedeuten ihr dabei schon ein paar Dutzend Generationen verirrter Menschen auf ihrer Oberfläche. Nicht mehr als ein Augenzwinkern in ihrer Geschichte. Sie wird ein neues Kapitel aufschlagen und in dem spielen wir einfach keine Rolle mehr. Ob das alternativlos ist, darüber entscheiden nicht die immer ausgefeilteren Methoden der Ausbeutung und Schönfärberei, sondern nur unsere Bereitschaft, uns von invasiven Schädlingen zu Nischen bewohnenden Nützlingen zu entwickeln. Mit letzteren lebt die Erde nämlich, wie sich überall zeigt, in freundlicher Koexistenz.    

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