Alte Säcke

Eigentlich wollte ich dieses Jahr die Kartoffeln in einem Turm ansetzen, aber dann war mir der Aufbau mit Haltestangen, Kaninchendraht und "Heuverputz" doch noch zu kompliziert. Für Balkonbesitzer empfahl man als einfache Alternative einen aufgeschnittenen Beutel Blumenerde. Diesen Gedanken fand ich im letzten Jahr bei einer Freundin stilsicher mit einem Jutesack umgesetzt. Seitdem halte ich, um es ihr nachzutun, die Augen nach alten Säcken auf und wurde wirklich im Laufe des Winters in unserem Hallenflohmarkt fündig, wo ich für 'n Appel und 'n Ei gleich ein Dutzend erstand. Sie warten nun frisch mit Erde befüllt ums Haus herum verteilt auf ihre Saat: Gurken, Zucchini, Kapuzinerkresse und Kartoffeln. Für letztere habe ich die Säcke zunächst nur mit einer Handbreit Erde bestückt, fülle dann aber immer wieder nach, sobald die Triebe etwa fünfzehn Zentimeter herausschauen. So lässt sich ein Kartoffelturm aufbauen, in dem sich lagenweise neue Knollen an dem zugeschütteten Grün ausbilden. Die Methode ist ertragreich und deutlich effektiver als die Aussat im freien Feld. Da sie aber nur in Handarbeit zu leisten ist, konnte sie sich in der industriellen Landwirtschaft nicht durchsetzen und ist ein gutes Beispiel dafür, dass sich in Gärten oder auf kleinen Höfen in Mischkultur prozentual mehr Nahrungsmittel ernten lassen, als in Monokulturen. Wer daher noch argumentiert, die Weltbevölkerung ließe sich nur mit modernster Agrarwirtschaft ernähren, liegt zumindest faktisch falsch und muss sich ggf. fragen lassen, ob er nur die notwendige Rückgabe von Ländereien an kleine Bauern, die Umverteilung landwirtschaftlicher Flächen, die Rückführung der Allmende aus Privatbesitz und die Förderung von Selbstversorgung in kleinteiligen Strukturen verhindern möchte.     

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Kommentare: 2
  • #1

    Ammo (Montag, 08 April 2019 05:07)

    Da bin ich mal auf die Ernte gespannt!

  • #2

    Julia (Montag, 08 April 2019 17:04)

    Wie schön :-) !!!