Waschstraße

In einer vergessenen Ecke im elterlichen Keller entdeckt, von meiner Schwester in Ehren gehalten und jetzt bei mir im Einsatz: Der alte Wäschestampfer. Nun wird die Wäsche, nachdem sie in der handbetriebenen Trommel lange einweichte und regelmäßig gedreht wurde, in den Waschzuber gefüllt und gestampft, wobei der bewegliche Siebeinsatz in der Glocke Luft und Wasser durch die Wäschestücke spült und den Schmutz herausdrückt. Das macht Spaß und ist, sofern man nicht gerade Berge Wäsche oder besonders große Stücke zu waschen hat, erstaunlich unkompliziert und effektiv. Wenn man darüber hinaus einen Garten mit Wasserschlauch zum Befüllen und sorglosem Herumspritzen sein Eigen nennt und die Sonne scheint, ist die ganze Aktion sehr sinnlich. Kein Waschmaschinenlärm stört die Ruhe im Wald, das Schwappen, Plätschern und Gurgeln hört und fühlt sich gut an und wenn man mag, kann man sich dabei sogar wie beim Buttern in früherer Zeit mit dem Bottich zwischen den Knien und dem Stampfer in der Hand gemütlich hinsetzen und lesen. Umweltfreundlich ist das Waschen natürlich außerdem. Es verbraucht keinen Strom und man kann auf herkömmliches mit allen möglichen Zusatzstoffen versehenes Waschmittel verzichten. Das bei meiner Handwäsche mit wenig natürlichen Saponinen aus Pflanzen, Essig, Natron oder Kernseifenflocken versetzte Wasser verwende ich unbesorgt zum Gießen und kann es, anders als bei der Machinenwäsche, die das Schmutzwasser nach nur einmaligem Gebrauch der Kläranlage zuführt, zuvor auch noch ein zweites oder drittes Mal nutzen, z.B. zum Einweichen von Töpfen, Pfannen und Geschirr, zum Schrubben verkrusteter Schuhe oder zum Füßewaschen. Lauter Pluspunkte, die zumindest im kleinen Haushalt mehr wiegen als das bisschen Bequemlichkeit und eine vermeintliche Zeitersparnis, die sich oft schon dadurch relativiert, dass man das, was einem so leicht gemacht wird, viel öfter tut als wirklich notwendig. Dann wird die Bluse nicht nur gewaschen, wenn sie wirklich schmutzig ist, sondern auch schon um sie nur aufzufrischen, das Hemd in die Maschine gesteckt, obwohl es lediglich ein paar Knitterfalten hat und man sich im Büro nicht zwei mal nacheinander mit ihm sehen lassen mag. Ein Luxus, den wir uns erlauben, der aber im Grunde nicht mehr ist als eine gesellschaftlich festgefahrene und zu Lasten der Natur gehende dumme Angewohnheit.    

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