Wendedeckel

Wenn dem einzigen Topf der Deckel zerbricht ist das Dilemma groß. Benutzt man ihn ohne Deckel weiter, besorgt doch gleich beides neu oder darf man hoffen, irgendwo und irgendwann auf einen verwaisten Deckel zu treffen, der sich verbändeln lässt. Da ich mich dem Kauf eines neuen Topfes strikt verweigerte, mein energiesparender Mann dagegen missgelaunt die längere Kochzeit monierte, hielten wir beide aus guten Gründen die Augen nach dem raren Exemplar eines vereinsamten Oberteils Ausschau und wurden wirklich fündig. Sehr zufrieden mit so viel Glück nahmen wir grob Maß und brachten ihn heim, nur um feststellen, dass er sich dem Topf um Haaresbreite verweigerte. Wenige Millimeter zu groß ließ er trotzig das Kondenswasser am Außenrand seiner besseren Hälfte ablaufen. Das war nun nicht der Weisheit letzter Schluss. Jetzt hatten wir einen unnützen Topf und einen überflüssigen Deckel in dem einzigen Schrank, der für alle Dinge unseres Haushaltes genügen muss. Und das nur, weil das unnachgiebige spröde Ding von einem Glasdeckel sich nicht ein bisschen zurechtbiegen lassen will. Aber für die, die so unwillig sind, hält das Schicksal noch ganz andere Methoden der Unterwerfung bereit. Auf den Kopf gestellt und umgedreht weiß er nicht mehr was ihm geschieht und ist plötzlich überraschend fügsam. Da kann ihm der Topf ruhig zu eng sein, er trumpft nicht mehr auf, sitzt brav mit der Wölbung nach innen und lässt die Kochflüssigkeit gehorsam wieder zurück tropfen. Fehlte nur noch ein neuer Griff für die bequeme Handhabung. Der ließ sich aber leicht mit zwei innen und außen angebrachten Korken lebensmitteltauglich improvisieren. So entsteht der flexible Helfer, der sich wendehalsmäßig dem Topf einfügt und "richtig" herum genau auf unsere Pfanne passt. Wen interessiert bei so viel praktischer Verwertbarkeit noch die Individualität.     

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