Nutze den Sommer

Frischer lässt sich Gemüse nicht auf den Tisch bringen. Während der Pizzateig noch ruht, suche ich im Garten den Belag zusammen: Die wirklich letzten und jetzt nicht mehr ganz so ansehnlichen Zuckerschoten, Möhrchen, die eigentlich Pastinaken werden sollten und mich beim Rausziehen mit Jubel erfüllen, so schön sind sie, kinderfaustgroße Brokkoliköpfe und ein bisschen Lauch, weil er viel zu dicht steht und sich so bestimmt nicht zu den dicken Stangen entwickelt, von denen ich träume. Ich habe noch viel zu lernen, vor allem die Geduld aufzubringen, die allzu dicht stehenden jungen Pflänzchen zu pikieren oder besser noch vorab den feinen Samen nicht wie Hühnerfutter mit vollen Händen auszustreuen sondern einzeln in Anzuchttöpfchen zu legen. Auch nicht aufzugeben, wenn sich so schnell nichts zeigt und statt übereilt alles durchzupflügen und von vorn zu beginnen, einfach mal abzuwarten. Und was sich liebt und was sich gar nicht leiden kann, das will ebenfalls verstanden werden. Jetzt schaffe ich noch in aller Unschuld Zwangs-Gemeinschaften von Rotkohl und Lauch, vereine Brokkoli mit Pastinaken oder geselle ihn zu Petersilie. Und dass meine Lieblinge, die Zuckerschoten mit dem sich zwischen ihren Reihen schlängelnden schmalen Stück Kaninchendraht nicht recht zufrieden sind, sie vor meinen Augen einknicken, davon konnte mich keine Theorie, sondern nur ihr trauriger Anblick überzeugen. Nun bekommen sie im nächsten Jahr ein eigenes langgezogenes Hochbeet vor dem Bonanzabretterzaun, an dem sich die meterhohen Rankhilfen gut befestigen lassen. Wenn alles gutgeht und mir die in der Bibel versprochenen siebzig und wenn es hochkommt achtzig Lebensjahre vergönnt sind, habe ich noch zwanzig dreißig Sommer und in jedem Sommer eine Chance zu lernen. So gesehen ist ein Leben gar nicht lang. Tage gibt es so viele, da kann man schon mal unachtsam werden,  aber die Sommer eines Lebens sind gezählt. In diesem Sinne carpe diem und nutze den Sommer!   

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