Von der Privatheit

Das Internet vergisst nichts. Das wissen wir und nehmen es gelassen, als wäre jede Erinnerung Wert erinnert zu werden, als könnte nicht gerade das Vergessen zum guten Leben gehören.  Ob unser Garten, mehr dem Internet gleichend, unpersönlich enttarnt, was wir getan haben oder doch nur zu unserer Freude ein vergangenes Bild heraufbeschwören möchte, ich weiß es nicht. Der Erinnerung aber kann ich mich jetzt nicht mehr entziehen. Da war ein Kürbisschmaus im letzten Jahr und der Rest verbuddelt in den Beeten. Eine Nebensächlichkeit nur, aber die Erde hat sie nicht vergessen, hat ein Körnchen Wahrheit aufbewahrt, ausgebrütet und groß herausgebracht. Nun verbreitet sie sich in Windeseile. Exponentiell wachsend dominiert die zur Neuigkeit mutierten Nach-richt alle kleinen Pflänzchen im Beet, verbindet sich in inniger Durchdringung mit den größeren zu Chimären und treibt die schönsten Blüten. Sie überwindet alle Grenzen und macht sich auf den Weg. Wohin spielt keine Rolle, Hauptsache sie erobert den Raum. Nun ist es offenbar, wir aßen Kürbis. Was soll's, denkt sich der Unbedarfte, das kann doch jeder wissen. Soll's die Erde ruhig ans Licht bringen. Ist ja nichts dabei. Der Kürbis steht nicht in Verruf, die öffentliche Meinung über ihn ist tadellos. Seine Bekanntschaft lässt keine Ehre verloren gehen. Und dass die Algorithmen mich nun zur Kürbisliebhaberin erklären, mir Öl und Kerne offerieren, Rezepte schmackhaft machen und gesundheitliche Vorzüge preisen damit aus einer Gelegenheit ein Bekenntnis wird, berührt mich nicht. Das ändert weder mein Denken noch mein Fühlen, ganz sicher nicht mein Kaufverhalten. Da steh' ich drüber. Würd' mich doch nach einer Nachricht nicht richten. Manipulieren lässt sich vielleicht die Masse, aber zu der gehören bekanntlich ja nur die anderen.         

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