Geizhals

Vor sehr langer Zeit las ich das Buch des holländischen Ehepaares van Veen und van Eden, die Teil der damals aktuellen Geizhalsbewegung waren. Was ich aus dem Text erinnere sind dick eingemummelte Leute in einer sparsam beheizten und kärglich beleuchteten Wohnung, die ihren dünnen Tee aus zweimal verwendeten Teebeuteln tranken. Mit scharfem Blick für Details kultivierten die Beiden ihre Sparsamkeit und hatten für alles und jeden einen hilfreichen Tipp, der die Lebenshaltung billiger machte. Auf mich wirkte das kleinlich, zwanghaft und unfröhlich. Trotzdem faszinierte mich ihre Lebensweise und sorgte in meinem Alltag manches Mal dafür, achtsamer mit den Dingen umzugehen. So sparsam wollte ich dennoch nicht werden, zumal sich mir nicht erschloss, wofür so viel Genügsamkeit gut sein sollte. Dass ich einmal auf dem Land in einem winzigen Blockhaus leben und ohne Einbuße an Lebensqualität auf Auto, Staubsauger, Waschmaschine, Kühlschrank und Wasserklosett verzichten würde, das hätte ich mir seinerzeit nicht vorstellen können. Heute dagegen genieße ich, und das vielleicht ganz ähnlich wie die Geizhälse, den Gewinn an äußerer und innerer Freiheit, der alle vermeintlichen Entbehrungen in Bezug auf Bequemlichkeit und Luxus aufwiegt. Daher gebe ich nun in bester Tradition der alten Holländer einen eigenen Geizhalstipp weiter: Statt teure mit Paraffin hergestellte Kaminanzünder zu kaufen, lässt sich ein Brei aus Holzstreu und Speiseöl mischen und löffelweise auf dem Anmachholz oder den Kiefernzapfen verteilen. Die Wirkung ist garantiert, das Material frei von Schadstoffen, darüber hinaus klimaneutral (heute sollte man das erwähnen) und offensichtlich lecker, denn unsere Anouk ließ sich nur schwer überzeugen, nicht immer wieder ihre Nase in den Topf zu stecken. 

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Kommentare: 2
  • #1

    Gerlinde (Freitag, 03 Januar 2020 13:47)

    Haben wir nicht alle so angefangen? Zurück dahin?

  • #2

    Ursula Kukureit (Freitag, 10 Januar 2020 15:26)

    Ich denke, jeder muß für sich selbst entscheiden, auf wieviel Bequemlichkeit er verzichten will (und kann). Aber wenn jeder das ihm Mögliche tut, ist schon viel gewonnen.