Sauerkraut

Irgendwann las ich einmal in dem Lebensbericht einer Bäuerin von vor ... Jahren: "Im Winter war das Kochen leicht, denn es gab Sauerkraut." So klingt Verzicht, der nicht be- sondern entlastet. Auch wir haben seit November unseren im Oktober gefüllten Sauerkrauttopf bis auf einen kleinen Rest gelehrt. Sauerkraut aufs Brot, ein paar Gabeln zwischendurch und sehr oft auch zum Abendessen als Hauptgericht oder Beilage - sauer aufgestoßen ist uns diese relative, aber gesunde Einseitigkeit nicht. Es war ja freiwillig.

So ist das nämlich mit dem einfachen Leben. Es ist ganz leicht, wenn man es sich ausgesucht hat, erst Recht wenn andere Möglichkeiten greifbar, ein neuer Lebensentwurf denkbar oder finanzielle Sicherheiten vorhanden sind. Schwerer wird es schon, wenn man es muss, weil Naturgewalten es erfordern. Das bringt dann einen unbeugsamen und stolzen Menschenschlag wie die Bergbauern hervor, die den Hängen seit Generationen unter Einsatz all ihrer Kräfte ein karges Auskommen abringen. Sauer wird das einfache Leben dann, wenn menschengemachte äußere Umstände, die als willkürlich und nicht gerecht wahrgenommen werden, es erzwingen. Von Wind und Wetter, von Zufällen, vom Schicksal, von Gottes Ratschluss lässt man sich herumschubsen, ohne seine Würde zu verlieren. Wenn aber Menschen Menschen herumschubsen, dann zerbricht etwas in ihnen, dann ist einfach und karg nicht gut und edel, sondern kränkend. 

 

 

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0