08. April 2021
Während die Frühblüher bunt aus der Erde schauen, die Büsche und Bäume ein Hauch von Grün überzieht und sich zu unserer großen Freude bereits Spinat und Radieschen in den Frühbeeten zeigen, nutzen wir die ersten frühlingshaften Tage, um Teppiche, Vorleger, Felle, Decken und Polster nach draußen zu tragen und den Kaminstaub des Winters heraus zu klopfen. Der Frühjahrsputz, den ich früher für komplett überbewertet hielt, erweist sich hier nach einer langen Heizperiode mit dem Ofen...
24. März 2021
Gut, dass Geflügel, Schaf und Rind sich weder von Warnhinweisen noch von Stellwänden mit Abbildungen zähnefletschender Wölfe auf ihren Weiden in Angst und Schrecken versetzen lassen. Ich allerdings werde angesichts solcher Plakatierung wach, denn sie soll ja mich erreichen und nicht das liebe Vieh. Dass der Wolf schon lange wieder unter uns ist, das war mir bewusst, dass Schäfer und Bauern ihn nicht willkommen heißen auch, dass das Thema inzwischen aber zu einer massiven Polarisierung...
09. März 2021
Das erste essbare Grün verkündet die Saison. Ab jetzt kann wieder draußen genascht und bald darauf im großen Stil geerntet werden. Der Winterpostelein ist ganz vorne dabei und nun auch bei uns im Garten heimisch. Letztes Jahr habe ich die ersten Pflänzchen unter den Heidelbeerbüschen entdeckt und von all dem anderen Kraut, das aus der Erde schießt, unterscheiden gelernt. Sorgsam um ihn herum jätend gab ich ihm Raum und half ihm Fuß zu fassen. Das dankt er nun, indem er sich sich...
26. Februar 2021
Solch ein Gewimmel möcht’ ich sehn, Auf freiem Grund mit freiem Volke stehn. Zum Augenblicke dürft’ ich sagen: Verweile doch, du bist so schön! Das ließ Goethe seinen Faust sprechen und wir, die letzten ihrer Art, die Älteren von uns, die Vor2020iger, die kennen es noch: Gewimmel, Gedränge, Geselligkeit ... in Parks, am Rheinufer, in der Altstadt, in Cafés, beim Lieblingsitaliener, in Kneipen und Biergärten. Die Freiheit zu gehen, wohin es einen zieht, zu treffen, wen man will, zu...
21. Februar 2021
Irgendwann las ich einmal in dem Lebensbericht einer Bäuerin von vor ... Jahren: "Im Winter war das Kochen leicht, denn es gab Sauerkraut." So klingt Verzicht, der nicht be- sondern entlastet. Auch wir haben seit November unseren im Oktober gefüllten Sauerkrauttopf bis auf einen kleinen Rest gelehrt. Sauerkraut aufs Brot, ein paar Gabeln zwischendurch und sehr oft auch zum Abendessen als Hauptgericht oder Beilage - sauer aufgestoßen ist uns diese relative, aber gesunde Einseitigkeit nicht....
16. Februar 2021
Dieser Winter kommt mir wie ein Geschenk vor. Alles ist so schön und strahlend, voller ästhetischer Wunderwerke, wuchtig, massig, filigran, zart - wie Porzellan, Spitze, oder Zuckerbäckerei, wie feines Tuch und edles Polster. Die Menschen fahren Ski auf den verschneiten Feldern, Familienväter ziehen mit ihren Autos in immer gleichen Runden Ketten von Schlitten hinter sich her. Das Lachen und aufgeregte Plappern der Kinder klingt weit in der sonst so stillen Landschaft. Die Gärten sind...
08. Februar 2021
"Wir wissen nicht was kommt, wir wissen nur, was ewig bleibt." So heißt es bei Johannes Oerding in "Hundert Leben". Ein wie die andere Aussage ist tröstlich. Wir wissen wirklich nicht was kommt. Die mit der größeren Macht haben wohl ihre Pläne geschmiedet und uns ihre Vorstellungen von unserer Zukunft auf den Tisch gelegt, aber Pläne gehen vielleicht unter klinischen Bedingungen auf, wenn alle Variablen und Parameter bekannt und berechnet sind; das Leben jedoch ist kein steriles Labor,...
04. Februar 2021
"Sollte das Fundament unserer Gesellschaft weitere Risse bekommen, unter uns zusammenbrechen und der gewohnte Zustrom von Waren und Dienstleistungen (von denen wir ja komplett abhängig sind) einmal ausbleiben, wäre ich von dem fehlenden Stück Boden abgesehen, nicht einmal mehr in der Lage, meine Nahrung zu erzeugen und einen Teil der sonstigen Versorgung zu gewährleisten." So steht es beinahe schon hellsichtig in meinem Buch. Allein war ich aber mit meiner Ahnung nicht, denn dass es nicht...
01. Februar 2021
Irgendwann in den letzten Wochen überkam mich das Gefühl, ich wäre von einer langen Krankheit genesen. Mit einem Mal hörte ich mich sagen: "Ich bin übern Berg." Und indem ich es aussprach wurde mir klar, dass es keine Krankheit war, an der ich gelitten hatte, es war Trauer um das Verlorengegangene. Die Gesellschaft als ganzes, aber auch jeder Einzelne musste im letzten Jahr Abschied nehmen. Im mildesten Fall hat das weh getan, im schlimmsten wurden die Grundfesten des guten Glaubens...
24. August 2020
Eine lange Reihe heißer Tage neigt sich dem Ende zu. Innerhalb weniger Stunden ist es abgekühlt, ein frischer Wind weht durch den Garten und abgestorbene Kiefernadeln regnen von den Bäumen. "Es wird Herbst" sagen wir beim Anblick unisono und nehmen gedanklich Abschied vom kühlen Bad in der Hardau, von der Dusche mit dem von der Sonne erhitzten Wasser aus dem Gartenschlauch, vom Barfußlaufen, von der Hängematte unter der Buche, vom Frühstück und Abendessen auf der Terrasse, vom Jubeln...

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