15. August 2019
Viereinhalb Jahre ist es nun her, dass wir unser Häuschen in der Heide entdeckten und uns auf der Stelle verliebten. Die Großstadt gewöhnt, waren wir ganz überwältigt von der Natur, der Stille und Abgeschiedenheit. Genau so wollten wir leben. So einfach und so weit weg von all der aufgesetzten Hektik und dem sinnlosen Getöse der Stadt und der vielen Menschen. Wir sehnten uns nach Ruhe - außen und innen. Und dann kam sie, die gute Gelegenheit. Und die will beim Schopfe gepackt werden,...
11. August 2019
Welche Bedeutung der Stoff einmal hatte, haben wir fast vergessen. Zu leicht ist es geworden, sich zu bekleiden. Früher sogar eine Beschäftigung für Götter, die wie die drei Nornen den Lebensfaden spannen, verwoben und mit einem Schnitt sein Ende bestimmten oder in Gestalt der weisen Athene, die den Menschen die Kunst des Spinnens und Webens schenkte und der selbstherrlichen Arachne zur Strafe für ihre menschliche Hybris die Verwandlung in eine Spinne bescherte, später dann für große...
08. August 2019
Frischer lässt sich Gemüse nicht auf den Tisch bringen. Während der Pizzateig noch ruht, suche ich im Garten den Belag zusammen: Die wirklich letzten und jetzt nicht mehr ganz so ansehnlichen Zuckerschoten, Möhrchen, die eigentlich Pastinaken werden sollten und mich beim Rausziehen mit Jubel erfüllen, so schön sind sie, kinderfaustgroße Brokkoliköpfe und ein bisschen Lauch, weil er viel zu dicht steht und sich so bestimmt nicht zu den dicken Stangen entwickelt, von denen ich träume....
06. August 2019
Was für ein herrlicher Sommer. Wenn es regnet und sich der Garten selbst versorgt, kann ich in der Wärme auf der Terrasse sitzen, dem leisen Tock-tock der Tropfen auf dem Dach lauschen, meinen Blick über das üppige Grün schweifen lassen und dabei gelegentlich einen Streifen Fell durch die Kettfäden des Standwebrahmens schieben. So verwandelt sich ganz nebenbei eine Tüte Fellreste in eine wollige Matte, die sich gut als Sitzkissen auf einem Stuhl oder im Sessel macht. Zugegeben eine sehr...
05. August 2019
Dem Klugen ist so leicht nicht beizukommen. Das musste auch der hochmütige Hase beim Wettlauf mit dem Igel lernen, als er seine unnütze Rennerei mit dem frühen (Karoshi-)Tod bezahlte, während die Igel lächelnd an den Enden ihrer Ackerfurche grüßen: "Ick bün all dor." Genau so geht es uns mit unseren Mäusen. Sie sind uns immer einen Schritt voraus, längst da wo wir noch müde gähnen. Deshalb räumen wir auf und hinterher und sorgen nach: binden Gurkenranken hoch, als die guten...
31. Juli 2019
Hätte ich gewusst, dass Brokkoli mit einer Vegetationszeit von rund vier Monaten zu den Spätentwicklern gehört, ich hätte ihn gewiss nicht durch Vergleiche mit meinen eifrigen Zuckererbsen gekränkt. Anders nämlich als die uns schon seit Wochen mit ihrer filigranen Schönheit und ihrem Fleiß umschmeichelnden Kaiserschoten ist dem jungen Brokkoli gemächlich grade schnell genug. Er trödelt herum, lässt den lieben Gott einen guten Mann sein und macht sich um die Zukunft keinen Kopf. Mein...
27. Juli 2019
Unsere schöne Duschabtrennung ist zusammengesackt. Wir errichteten sie noch in unserem ersten Sommer hier im Wald im Stil einer Totholz- oder Benjeshecke aus wild übereinandergeschichteten Ästen, die beim Lichten unseres Grundstücks anfielen. Inzwischen aber sind die Pfosten, die das Aufeinandergetürmte zusammenhielten, morsch geworden und direkt über dem Boden abgebrochen. Nichts ist für die Ewigkeit. Da aber alle Stoffe des alten Sichtschutzes dem Kreislauf der Natur umstandslos wieder...
24. Juli 2019
Überall wird Getreide geerntet. Haben die Mähdrescher das Feld verlassen, materialisieren sich aus dem Staub aufgeworfene Streifen fluffigen Strohs, das an einem freundlichen Morgen wie diesem so schön aussieht, dass man meinen könnte, es spiele die Haupt- und nicht nur die Nebenrolle im Erntetheater. Am liebsten würde man hineingreifen, händevoll in die Luft werfen und wie eingefangenes Sonnenlicht wieder herabregnen lassen. Und wenn im Märchen Stroh zu Gold gesponnen und der...
22. Juli 2019
Von wegen "die Spargelzeit ist vorbei". Für uns hat sie erst angefangen. Das Feld, auf dem wir Woche um Woche die Ernte blasser Spargelstangen unter langen Folienreihen erlebten, ist abgedeckt, das Plastik zu dicken Rollen aufgewickelt und an die Seite geschafft. Nun wuchert es wild und blüht zart aus dem nach dem Einebnen der Wälle glattgerechten Boden. Es spitzen aber auch weiter frische Triebe aus der Erde und die will niemand. Daher fahren wir jeden Tag mit dem Rad los, pflücken genug...
20. Juli 2019
Der erste Blick morgens aus unserem Küchenfenster in Richtung Gästehaus kann mich jeden Tag aufs Neue erfreuen. Die Fläche, die einmal von vertrockneten Kiefernnadeln öde braun mit Einsprenkelungen verschiedener Unkräuter zwischen unseren Häuschen lag, hat nun eine samtig grüne Decke bekommen. Mit einem englischen Rasen hat sie zwar nur entfernt Ähnlichkeit, trotzdem sind wir mit ihrem Aussehen sehr zufrieden. Der Handmäher gleitet leicht darüber hinweg und wenn wir ihn nicht...

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