04. Juli 2020
Wie heißt es im Artikel der 'Calluna' so schön: "Die beiden sind Realisten genug, um zu wissen, dass sie weit von einer Art Selbstversorgung entfernt sind, ..." Ja, so realistisch bin ich wohl. Wenn ich aber im milden Licht des frühen Morgens einen ersten Gang durch den Garten mache, dann kann sie mich mal, die Realität. Dann lasse ich mich nur zu gern verzaubern und wähne mich inmitten der verschwenderischen Fülle in einer heilen Welt. Dann rechne ich mich reich angesichts großer...
27. Juni 2020
23. Juni 2020
Mehr denn je habe ich jetzt eine große Sehnsucht nach den einfachen Dingen, den echten und unverfälschten - eine Schüssel Zuckerschoten z.B. von den Pflanzen, die wir gesät und gegossen haben, die von der Sonne großgezogen, deren Blüten sehnsüchtig erwartet wurden und die uns nun im Verwelken die wachsende Schote schenken. Die Freude beim Ernten, das bedachte Auswählen jeder Einzelnen, ihre Schönheit, die gefüllte Schale, die Dankbarkeit - das alles ist gut und richtig und eine...
16. Juni 2020
Wenn wir nun an den warmen Abenden lange still und schläfrig auf der Terrasse sitzen, verlässt unsere Waldmaus ihr sicheres Zuhause unter den Dielen und huscht auf der Suche nach den Resten unserer Brotzeit im Kies umher. Bekommt sie dann ein Stück vom Kuchen, isst sie ihn gern, fällt nichts mehr ab, nimmt sie's gelassen. Frei geboren vertraut sie nur auf sich selbst und findet, erfinderisch und wagemutig, überall ihr Auskommen. Im Keller ist nichts sicher vor ihr, die Seife vom Duschplatz...
11. Juni 2020
... sie schmiegt sich an, die neue Hütte, kauert sich unters Dach der Alten, findet Halt an ihrer starken Seite, die sie nun mit ihrer eigenen vor Wind und Regen schützt. Davon haben beide was. Und auch wir: einen geräumigen Holzlagerplatz, den so schnell nichts umwirft. Vor seiner offenen Tür baumeln - nur zum schönen Schein - zwei Säcke mit Vergangenheit und im Fenster hängt, als wär's ein Liebesnest, ein buntes Hemd. Wir bauen noch auf Nähe als stabilisierende Kraft - den Zeichen...
06. Juni 2020
Seit geraumer Zeit stoßen wir beim Spazierengehen am Oldenstädter See oder in der Heide auf bunt bemalte Steine. Und immer ließ ich sie - oft nur schweren Herzens - liegen, da sie mir zur Verschönerung der Umgebung gedacht schienen. Nun entdeckte ich aber einen hinter unserem Haus auf einem hohen Zaunpfahl. Zur allgemeinen Bewunderung fiel er dort nicht ins Auge. Er war also wohl zum Finden gedacht. Deshalb nahm ich ihn herunter und las auf der Rückseite die Aufforderung: "finden, freuen,...
31. Mai 2020
In Berlin haben sich die Anträge auf Kleingärten vervierfacht. Ebenfalls gestiegen ist die Nachfrage nach Hochbeeten. Und auch in unserer Waldsiedlung gehen die Grundstücke weg wie warme Semmeln. Das ist die unerwartete und erfreuliche Nebenwirkung einer Krise, in der viele Menschen aus ihrem gewohnten hektischen Treiben herausgerissen und mit der teilweisen oder vollständigen Freistellung von der Arbeit zu der erschreckenden Erkenntnis gelangen mussten, dass das, was sie bisher den Tag...
21. Mai 2020
Dem Lumpengesindel, das ich vor knapp zwei Jahren zwischen die Äste unserer Eiche hängte, fielen inzwischen buchstäblich die Kleider vom Leib. Darum habe ich sie ausgezogen, frisch herausgeputzt und ihnen im Kirschbaum einen neuen Platz zugewiesen. Von dort haben sie einen anderen Blick auf die Welt. Denn der Kopf ist wohl rund, damit das Denken seine Richtung ändern kann, ohne Perspektivwechsel aber dreht es sich trotzdem nur im Kreis. In diesem Sinne dürfen wir recht froh sein, dass es...
15. Mai 2020
Dass wir krisenhaften Zeiten entgegen gehen, das hatte ich schon lange im Hinterkopf. Wie sie aussehen würden und was das genau für uns bedeutet, konnte ich mir trotzdem nicht vorstellen und so habe ich auch jetzt Schwierigkeiten zu begreifen, dass wir uns scheinbar in solchen befinden oder uns vielleicht auch erst auf sie zubewegen? Eines war mir aber klar: Auf dem Land wären wir dann besser aufgehoben. Städte sind Brennpunkte und vor allem machen sie ihre Bewohner abhängig von äußerer...
09. Mai 2020
Unsere Amseln haben es gut. Die Menschendinge gehen sie nichts an und so können sie sich auch in diesem Jahr wieder ungerührt der Familiengründung im Unterstand auf unserem Brennholzstapel widmen. Einen guten Platz haben sie sich ausgesucht. Ihr Heim ist trocken, zugfrei und sicher und der einst magere Waldboden vor ihrer Tür hat sich dank ständiger Kompost- und Wassergaben inzwischen in ein von Würmern und anderen Kleinlebewesen wimmelndes Futterparadies verwandelt. In unserem Garten...

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