19. April 2019
In diesem Frühjahr ist das obligatorische Großreinemachen entbehrlich, da wir inzwischen der Tücken des Feuermachens Herr geworden sind und deshalb die Wände nicht wie im letzten Jahr von rußigen Ablagerungen befreien und frisch streichen, Rahmen und Möbel nicht mehr als üblich wischen müssen und auch die Teppiche nicht staubiger als normal sind. Unser kleines Blockhaus macht uns daher wenig Arbeit. Nur die Heumatratzen hatten es nötig. In den Wintermonaten haben wir sie plattgelegen...
17. April 2019
Es wird gar nicht mehr richtig dunkel. Der erste voller werdende Mond zum Frühlingsbeginn kündigt Ostern an und taucht die Nächte in silbernen Schimmer, der mich verführen könnte, zur magischen zwölften Stunde hinaus in den Wald zu gehen und unter Gemurmel alter Beschwörungsformeln die "Grünen Neun" für die traditionelle Gründonnerstagssuppe zu sammeln. Als Lerche aber und der Welt aufgeklärt entzaubert, fehlt es mir dann doch an Sinn für mitternächtliche Spaziergänge. Daher werde...
15. April 2019
Da hatte ich doch vor langer Zeit vollmundig verkündet, wir würden Trockentoiletten, genauer Trenntoiletten noch einmal in Serie produzieren, war allerdings nicht darauf gefasst, dass es deshalb der Fall sein könnte, weil der Prototyp im Gästehaus den ersten Winter nicht übersteht. Aber aus Fehlern lässt sich trefflich lernen und so haben wir für das Nachfolgemodell statt der dünnen Fichtenholzbretter dickes stabverleimtes Buchenholz gewählt und die Sitzfläche nicht sparsam...
13. April 2019
Ist ja schon ein bisschen schade, dass man uns alles so schön wegerklärt ... da sehe ich doch mit einem Mal im linken kleinen Stein ein müdes altes Gesicht mit Knollennase und griesgrämig nach unten verzogenen Mundwinkeln. Nun könnte ich mich persönlich davon berühren lassen, aber natürlich habe ich gelernt, dass der Mensch einfach darauf programmiert ist, Gesichter zu erkennen und deshalb alle zufälligen Muster nach entsprechenden Merkmalen scannt und gesichtserkennungsmäßig...
11. April 2019
Ein Steckenpferd ist eine herrliche Sache. Man geht voller Neugier und geradezu süchtig nach Impulsen für die frisch erwachte Leidenschaft durch die scheinbar bekannte Welt und kommt aus dem Staunen nicht heraus, wie viel es zu entdecken und zu lernen gibt. Und genau das, so meint Erich Fromm, ist es, was der Mensch zu einem erfüllten Leben braucht: Eine aus innerem Antrieb ins Außen gebrachte Aktivität, die Ver-wirklich-ung unserer ureigensten Wünsche und Möglichkeiten. Wer nach dieser...
09. April 2019
Meine ersten beiden neu gelernten Kräuter, Veronica Ehrenpreis und Scharbockskraut sollten zur Erinnerung und zur Erhaltung ihrer Heilwirkung eine besondere Würdigung erfahren. Daher habe ich sie mit dem Klaren übergossen, der von meinen Versuchen im letzten Jahr, Aufgesetzten herzustellen, übrig war. Das Ergebnis ist schön anzusehen und bereits nach drei Wochen hilfreich bei Frühjahrsmüdigkeit, zur Blutreinigung, bei Erkältungskrankheiten, Verdauungsbeschwerden und tausend anderen...
07. April 2019
Eigentlich wollte ich dieses Jahr die Kartoffeln in einem Turm ansetzen, aber dann war mir der Aufbau mit Haltestangen, Kaninchendraht und "Heuverputz" doch noch zu kompliziert. Für Balkonbesitzer empfahl man als einfache Alternative einen aufgeschnittenen Beutel Blumenerde. Diesen Gedanken fand ich im letzten Jahr bei einer Freundin stilsicher mit einem Jutesack umgesetzt. Seitdem halte ich, um es ihr nachzutun, die Augen nach alten Säcken auf und wurde wirklich im Laufe des Winters in...
05. April 2019
Als wir damals von Berlin hierher zogen, gehörte zu unseren größten Überraschungen, wie viel Essen überall herumliegt. Auf den Feldern finden sich sogar im Winter noch Möhren oder Kohl, Zwiebeln bleiben einfach auf den Äckern liegen, von den Traktoranhängern fallen Kartoffeln herunter und die Obstbäume an den Feldrändern hängen voller Früchte, die niemand will. Wieviele Wildkräuter und Gemüse darüber hinaus im Wald und auf der Wiese zu finden sind, das lerne ich erst jetzt. In...
02. April 2019
Wir stehen uns selbst im Weg. In einer Welt, die nur das Rationale gelten lässt, haben wir alle frühzeitig gelernt, das Unerklärliche entweder gar nicht erst wahrzunehmen, es zu pathalogisieren oder es recht ordentlich zu katalogisieren, um es so unschädlich zu machen: Dann heißt es Zufall, Instinkt oder Naturgesetz. Kein Wunder also, dass die Natur nicht mehr mit uns sprechen kann. Sie stößt auf taube Ohren. Wohl berührt sie uns noch irgendwie, aber als "göttliches Organ", wie Goethe...
01. April 2019
Meine lange Anouk-Runde führt mich regelmäßig an einer Feuchtwiese vorbei, die je nach Regenmenge entweder nur matschig nass oder aber mit größeren oder kleineren Pfützen überzogen ist. Aus der Ferne könnte man die großen Wasserflächen beinahe für richtige Teiche halten, tatsächlich sind sie aber nur wenige Zentimeter tief und für die gelegentlich dort Rast machenden Gänse wohl eher eine Enttäuschung. Für die Frösche oder Kröten aber, die hier geboren wurden und zu ihnen...

Mehr anzeigen