17. Juni 2019
Mit Gender hat unser Amselpärchen nichts am Hut. Was jeder zu tun hat, das wissen sie auch so und ob das gerecht ist oder nicht, ob einer gar etwas mehr oder weniger arbeitet, wem die langweiligeren Tätigkeiten zugewiesen sind, wer entkräftet früher stirbt, wer noch ein paar schöne Jahre hat, das ist kein Stoff für Diskussionen. Und ob diese Rollenzuweisungen von der Vogelschaft gar sozial konstruiert sind, statt naturgegeben, damit befassen sich nur ein paar seltene Vögel. Schließlich...
15. Juni 2019
Unkraut kannte ich bisher kaum in unserem Garten. Der Waldboden bietet keinen nahrhaften Untergrund und der Mulch, der die Beete und freien Flächen bedeckt, verhindert, dass anfliegende Samen Wurzeln schlagen können. Das hat sich jetzt geändert, denn wir haben getan, wovor wir eindringlich gewarnt wurden: In großen Mengen Mutterboden und Kompost in den Beeten verteilt, zudem großflächig für Rasen ausgebracht. Nun dürfen wir uns der Unkenrufe gemäß darauf gefasst machen, dass sich die...
11. Juni 2019
Dem Reiz des Budebauens bin ich bis heute erlegen. Wenn Werner vier Wände zieht, ein Dach darüber deckt, dazu aus Sparsamkeitsgründen die alte herumstehende Hoftür als dekoratives Element verbaut und ich einen Jutevorhang als Tür einsetze, kennt meine Begeisterung keine Grenzen. Das mag daran liegen, dass ich vertrauensvollen Umgang mit meinem inneren Kind pflege, das wie ein junger Fuchs die Jagd, noch immer spielend üben will, was es später fürs Leben einmal braucht. Vielleicht bin...
08. Juni 2019
Zuckerschoten sind das wahre Anfängergemüse: Sie lassen sich schon früh, wenn die Vorfreude auf das eigene Gemüse besonders groß ist, in die Erde bringen, erfreuen bald mit ihren zarten Trieben, die sich schnell zu grazilen Pflanzen entwickeln, deren zarte Ranken so sehnsuchtsvoll nach Kontakt und Halt tasten, dass es einen rühren kann. Haben sie dann aber erst den Partner fürs Leben gefunden, die notwendige Rückendeckung erhalten, wachsen sie selbstgewiss und frohgemut in den Himmel...
06. Juni 2019
Eine der ersten sagenhaften Floskeln, die wir über das Leben im Wald hörten, lautete: "Zu Pfingsten kommen wir nie, da stechen die Gnitzen." "Hä?", dachten wir, "Gnitzen? Was sind denn das?", und "Ach, so schlimm wird's schon nicht sein!" Aber die alten Herrschaften, die uns warnen wollten, sollten Recht behalten. Jedes Jahr zur selben Zeit tauchen früh morgens und abends die einzeln kaum sichtbaren, in Schwärmen aber als difuses Schwirren wahrnehmbaren Plagegeister aus der Familie der...
03. Juni 2019
Der als Ersatz für den Staubsauger angeschaffte mechanische Teppichkehrer ist erstaunlich effektiv. Wenn ich zwei Mal in der Woche das Gehäuse aufklappe um Fusseln, Staub und Krümel aus den Kammern in den Garten zu schütteln, bin ich jedes Mal überrascht, wie viel Schmutz sich mit den drei durch einfaches Hin- und Herschieben in Rotation versetzten Bürsten auffegen lässt. Trotzdem schadet es nicht, den Teppich alle paar Monate ganz klassisch draußen aufzuhängen und kräftig zu klopfen,...
01. Juni 2019
Märchen habe ich während meiner ganzen Kindheit gelesen und "Schneeweißchen und Rosenrot" gehörte zu einer meiner Lieblingsgeschichten. Nicht wegen der Abenteuer mit dem garstigen Zwerg, dem die beiden Schwestern drei Mal aus der Klemme helfen und doch nur Undank ernten, schon gar nicht wegen der Prinzen, denen ich vorwarf, den Mädchen das idyllische Leben im Wald zu verderben, indem sie sie erst ins Schloss und dann unter die Haube bringen und auch nicht wegen der Schätze und Edelsteine...
30. Mai 2019
Das Leben hier im Wald und nun auch ohne Auto, das einen allzu schnell ganz nach Lust und Laune zur Abwechselung irgendwo hinbringt, ist von wenigen Eindrücken geprägt, die dafür aber - jetzt im Sommer besonders - um so schöner sind. Im Garten blüht und wächst es, dass man beinahe zuschauen kann, der Duft von Flieder hängt in der Luft und auf den Wiesen riecht es warm nach Gras und Kräutern, die kniehoch wuchern, so dass ich auf der Suche nach den richtigen Wildpflanzen für Salat und...
27. Mai 2019
Inzwischen weiß ich von drei Möglichkeiten Kartoffeln anzubauen. Die klassische ist die in Feld oder Beet. Hierbei lässt sich im Verhältnis zur benötigten Fläche die geringste Ernte erzielen. Ertragreicher wird es durchs Anhäufeln, bei der den jungen Kartoffelpflänzchen einmalig oder auch immer wieder frische Erde untergeschoben wird, damit sich an den zugeschütteten Blattansätzen weitere Knollen bilden können. Umgesetzt habe ich diese Idee mit meinen alten Säcken, in denen das...
23. Mai 2019
Das Schonraumgemüse entwickelt sich großartig. Inzwischen erklimmt es schon den zwischen die Reihen gespannten Kaninchendraht. Die Zuckerschote von Gottes Gnaden aber lässt die Menge hinter sich. Standesbewusst sich früh der edlen Rose zugesellt, hat sie sich nun innigst mit ihr verbandelt und teilt die ersten Blüten großzügig. So adeln sie als wahrhaft majestätisches Paar unseren bürgerlichen Garten: Die Königin der Blumen und das Kaisergemüse. Ich armer Prolet nehm es gelassen,...

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