11. Dezember 2019
Eine "Fremde" hat mein Buch gekauft, im Blog gestöbert und einen Gruß ins Gästebuch geschrieben und plötzlich macht alles neuen Sinn. All die Bilder und Beiträge sind mit einem Mal wieder mehr als nur selbstgefälliges Umsichkreisen und Erinnerungen horten. Jetzt tasten sie sich wieder in die Welt hinein und nähren anderer Menschen Träume. Das wirken Worte! Danke! Und wenn es das einzige ist, das wir tun können in dieser hochkomplizierten Zeit, dann wollen wir es weiter tun. Uns...
22. November 2019
Jutesäcke kann man nie genug haben. Wir bewahren in ihnen Kiefernzapfen und Kleinholz zum Anfeuern, Buchenlaub für die Komposttoilette auf. Anouk hat ihren mit Stroh gefüllt als Polster in der Hundehütte, geschenkte Walnüsse und gestoppelte Zwiebeln lagern in dekorativ umgekrempelten Säcken im Haus. Im Sommer habe ich etliche zu "Blumentöpfen" umfunktioniert und für Kartoffeln, Gurken- und Tomatenpflanzen verwendet, ein Jute-Vorhang dient dem Fahrradschuppen als Türersatz, Fetzen...
16. November 2019
Ein Schläfchen unter freiem Himmel ist etwas besonderes, denn im Zustand der Halbwachheit erzählen Sträucher, Bäume und Wolken Geschichten als wehrten sie sich gegen unsere vordergründige, zweckmäßige Betrachtung. An kalten Tagen tut es aber auch ein Lager im Haus mit Blick auf die Kiefern oder unseren Haselnussbusch, der mir, wenn ich mich zögerlich aus den Armen des Schlummers löse, mit den an den Spitzen seiner Zweige wie Stabpuppen thronenden Gestalten aus Blättern ein...
09. November 2019
Alle reden vom Klima und herauskommen neue Absatzmärkte für "umweltfreundlichere" Konsumgüter und natürlich eine weitere Steuer - Ablasshandel für die kleinen Leute mit schlechtem Gewissen. Und wie beim Ablasshandel auch, bewirkt das Geld nicht das, was es sollte. Denn wenn man sich vor Augen hält, dass es die etwa 15 größten Containerschiffe sind, die so viele Schadstoffe ausstoßen wie alle Autos zusammen, dass das Militär zu den schlimmsten Umweltsündern gehört, dass die...
06. November 2019
Der Abreißblock neben dem Kaminofen tut gute Dienste und sorgt neben gesammelter Birkenrinde für schnelles Anfeuern. Damit der Vorrat nie zu Ende geht, bestücke ich ihn stets neu mit dem Altpapier, das in Form kostenloser Regionalblättchen oder als Verpackungsmaterial ins Haus kommt. Ist das Papier aber so schön weiß wie oben, dann wird es kleiner gerissen und mit einer Nadel auf ein Stück Paketschnur gefädelt für die täglichen Erinnermichs: Stichwörter zu Projekten, die wir...
31. Oktober 2019
Ein, zwei eisige Nächte, kalte Tage, ein Sonntag inmitten der Woche - die Zeit steht still, die Natur wirkt wie erstarrt. Wir ziehen uns zusammen, werden häuslich und hüten das Feuer. Stunden lasten leicht. Geübt schon ertragen wir uns selbst, erfreuen uns der kleinen Dinge: Eine Mütze nähen, die Heumatratzen wenden, in Gedanken einen langen Brief verfassen, ein leises Loblied singen, Worte kauen, etwas lesen, eine beinahe vergessene Musik suchen, das Foto der letzten Woche betrachten,...
26. Oktober 2019
Warum die Bäume im Herbst ihre Blätter verlieren, das wissen wir aus der Schule. Das war doch diese Sache mit der Energieeinsparung und der Schneelast und dergleichen?! Für die meisten erschöpft sich das Wissen dann bereits und auch bei mir ist es nur diffus vorhanden. Da leben wir jeden Tag mit diesen riesigen alten Geschöpfen in unserem Garten und verstehen doch so wenig von ihnen. Aber unsere zwei Buchen machen mich darauf aufmerksam, dass auch die Fauna voller Persönlichkeiten steckt....
22. Oktober 2019
Der Oktober ist ein wehmütiger Monat. Die Erde labt sich am Wasser, die Pflanzen atmen auf und vergelten es ein letztes Mal mit frischem Grün. Die Sonne, milde geworden, bringt sie zum Leuchten und Glitzern, putzt sie heraus wie zu einem rauschenden Fest. Als hätten sie dem Tod so lange in die Augen geschaut, bis er zwinkert und ins fröhliche Treiben einstimmt. "Es gibt in unserer Seele ein kleines ... Fleckchen, wo die Wehmut, die Sehnsucht und die Ahnung wohnen, dort lebt, was uns starb!"...
15. Oktober 2019
Auf dem Land gibt es viele Möglichkeiten, sich ohne Geld durchzuschlagen. So gehe ich beispielsweise in diesem Herbst jeden Morgen in die Pilze und kehre mit einem Korb voller Maronen, Stein-, Butter- und Birkenpilzen, Hexenröhrlingen und Ziegenlippen heim und schmore sie mit gestoppelten Zwiebeln zu Kartoffeln vom abgeernteten Feld. Ein solches Essen wird nie langweilig, weil man die Freude an jedem Fund mitisst. Und wenn ich dann die duftenden Pilze in der Pfanne schwenke und weiß, dass...
10. Oktober 2019
Eine solche Pilzschwemme habe ich seit vier Jahren nicht erlebt. Überall schießen sie aus dem Boden. Kaum ein Tag vergeht, an dem ich nicht wenigstens ein paar fürs Abendessen pflücken kann. Und noch nie sah ich so viele Fliegenpilze - leibhaftig - nicht als Nachbildung oder Abbild eines Glückbringers. Als würde ich die wirkliche Welt hinter den Bildern entdecken und feststellen: Es gibt sie noch. Die Kuh hat keine lila Flecken und die Glückspilze gehören in den Wald, nicht auf...

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