16. März 2020
Das kulinarische Jahr beginnt mit den ersten Polstern Winter-Postelein und Trieben von Brenn- und Taubnessel. Dann kommen endlich wieder Berge frisch gepflückten Salats auf den Tisch und sämiges Gemüse aus Nesseln mit einigen Blättchen Gundermann und Ehrenpreis gewürzt. Erst im letzten Jahr beschäftigte ich mich intensiver mit den wild wachsenden essbaren und heilkräftigen Kräutern und nun gehe ich schon mit geübtem Blick durch die Umgebung, scanne die Wegränder auf frische...
03. März 2020
Als schon im Februar der Frühling Einzug hielt, hätte ich wohl zum ersten Mal in meinem Leben die Uhr anhalten mögen, um mir eine Verlängerung der Winter-Auszeit zu gönnen. Am Feuer sitzen, lesen, Steckenpferde reiten und die Stunden, statt sie mit Sachverstand zu verwalten, mit Nettigkeiten füllen, das war ich noch nicht leid. Und so reißt mich der Frühling beinahe unwillkommen aus meiner Komfortzone. Er verlangt, Pläne zu machen, aufzuräumen, Unkraut zu jäten, Hochbeete...
17. Februar 2020
In unserem kleinen Häuschen fehlt es an nichts. Nur das winzige Schlafzimmer mit seiner genau mittig der Längsseite gelegenen Tür und dem ihr gegenüber liegenden Fenster zwang uns bisher zu Kompromissen. Zuerst stellten wir je ein Einzelbett rechts und links des Fensters auf und schoben als Schrankersatz Schubladen darunter, dann probierten wir es mit einem Heumatratzen-Ausziehbett, das wir nach einer Weile aber nicht mehr täglich wieder zusammenschoben, so dass es in der Folge meist die...
11. Februar 2020
Am Abend haben wir Kerzen angezündet, ein Stoßgebet hinaus in den Sturm geschickt und dann halb fasziniert, halb besorgt den schaurigen Geräuschen draußen gelauscht. Das Unwetter lud zu einem rauschenden Fest mit Blitz und Donner. Und unsere Kiefern waren seine ausgelassensten Gäste. Stundenlang tanzten sie wie verrückt, bogen und schüttelten sich orgiastisch, warfen alle Fetzen von sich, schleuderten Äste, sangen, ächzten und knarzten, kratzten und rammten sich in freundschaftlichem...
09. Februar 2020
Gegen groß wohnen wäre ja gar nichts einzuwenden, wären da nicht die Kosten, für die man einen meist erheblichen Teil seines Einkommens aufwenden muss und die einen folglich zu Abhängigen einer einträglichen Lohnarbeit machen, wären da nicht der unnötige Material- und Energieeinsatz erst beim Bau selber, später in Form von Heizen, Einrichten, Sauberhalten und schlussendlich die hohe Anzahl versiegelter Quadratmeter, die wir der Natur rauben. Alles gute Gründe, sich beim Wohnen zu...
01. Februar 2020
Als ich klein war hatten Kinder noch viele Freiheiten, die heute selbst auf dem Land beinahe vergessen sind, denn auch hier stiehlt schon den Jüngsten der Ernst des Lebens die meiste Zeit, verwandeln Verlockungen und Bequemlichkeiten medialer Angebote bewegungshungrige Freigeister in zufriedene Stubenhocker und löschen ängstliche Erwachsene, die der Welt draußen nicht mehr zutrauen, ihre Kinder unbeschadet groß werden zu lassen, die letzten Funken Abenteuerlust in den Kinderherzen. Zu viel...
21. Januar 2020
Jedes Jahr das gleiche Spiel. Irgendwann gehen die im Sommer gesammelten Vorräte an Kiefernzapfen zur Neige und wir müssen uns im Wald neu eindecken. Vor zwei Jahren noch und auch im letzten zog ich dann mit dem Henkelkörbchen los, das mich auch beim Stoppeln oder Pilzesammeln begleitet, und klaubte alles zusammen, was sich zum Anfeuern eignet. Mit dem schlenkernden Korb am Arm war das eigentlich ernsthafte Unterfangen trotzdem kaum mehr als müßiges Herumtändeln. Damit aber ist jetzt...
14. Januar 2020
Der Winter hat sich bisher von seiner gnädigen Seite gezeigt. Die Handschuhe bleiben meist im Schrank, das Haus stets kuschelig warm und mit seinem Kaminfeuer und Kerzenlichtern gemütlich erleuchtet. Statt vor eisigem Wind ins Haus zu flüchten und mit Füßen wie Eisklumpen und klammen Händen zitternd ein Feuer in Gang zu bringen, kalt angehaucht von einer Todesahnung, die als sicheres Wissen im Körper gespeichert ist, dass man erfrieren kann da draußen, sind wir bis jetzt zwanglos und...
07. Januar 2020
... sieht man den Wald nicht. Man könnte sich fühlen wie Rilkes "Panther", "der vom Vorübergehn der Stäbe so müd geworden, als ob es tausend Stäbe gäbe und dahinter keine Welt". Als würde er zwischen Bäumen wandern und da wär kein Wald, in dem er geht. Unverbunden, getrennt von ihm. Eine Ansammlung von Bäumen macht noch keinen Wald und schöne Worte allein keine Poesie. Da wächst was über sich hinaus, das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile. Interpretiert man das Gedicht auch...
01. Januar 2020
Vor sehr langer Zeit las ich das Buch des holländischen Ehepaares van Veen und van Eden, die Teil der damals aktuellen Geizhalsbewegung waren. Was ich aus dem Text erinnere sind dick eingemummelte Leute in einer sparsam beheizten und kärglich beleuchteten Wohnung, die ihren dünnen Tee aus zweimal verwendeten Teebeuteln tranken. Mit scharfem Blick für Details kultivierten die Beiden ihre Sparsamkeit und hatten für alles und jeden einen hilfreichen Tipp, der die Lebenshaltung billiger...

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