12. Mai 2022
Zwei kleine Selbstversorger sind ins Haus gekommen und entzücken uns über die Maßen. Den Tag über wuseln sie, unablässig unsere Nähe suchend, im Garten herum. Dabei zupfen sie Gras und Kräuter aus den Ecken, jagen mit vorgestrecktem Kopf in rasantem Schnellschritt Fliegen hinterher, gründeln in den Bodendeckern nach Schmackhaftem und schnäbeln durch jede Pfütze. Sie sind unbeschwert und wenn sie nicht beschäftigt sind, dann dösen sie eng aneinander geschmiegt vor sich hin. Die Sonne...
25. April 2022
Eine Freundin meinte einmal, im Garten fänden sich die Heilpflanzen ein, die der Mensch benötigt. Und irgendwo las ich, dass sich ein Stückchen vom Menschen bestelltes und behütetes Land auf diesen energetisch einstellt und aktiv für seine Gesundheit sorgt - vielleicht durch Gerüche, Schwingung, durch Mikronährstoffe in der Erde unter den Fingernägeln, vielleicht auch durch ein von Blumen angelocktes Insekt, das einem stechend eine homöopathische Dosis Wirkstoff verabreicht oder durch...
13. April 2022
Mit Riesenschritten geht es dem Ende aller Baumaßnahmen zu. Die Lehmfassade ist getrocknet, der Kellereingang mit einem Dach versehen, die Veranda zu Ende gestrichen, die Dielen geölt und der aufgewühlte Garten durch erweiterte Beete und frisch gestreuten Kies versöhnt. Meine von all dem Chaos hüben und drüben noch weidwunde Seele sehnt sich nach Ruhe und Ordnung und ein bisschen Nostalgie. Da kommt mir die durch die neue Dämmung notwendig hinzugewonnene Fensterbank gerade Recht. Sie...
24. März 2022
Den Winter über haben wir von dem im Herbst Gestoppelten, den Resten aus den Beeten und unserem milchsauer Vergorenem "gelebt": Weißkohl, Rotkohl, Zwiebeln, Möhren, Rote Bete, Hagebutten, Pastinaken, grüne Tomaten und etliche Kleinigkeiten der letzten Ernte, die noch in den Gläsern und Fässern Platz fanden und die ich nicht mehr erinnere. Nun sind wir am Ende unserer Vorräte. Nur noch ein kleiner Rest eingelegter Rotkohl ist da, ein paar Hände voll Zwiebeln und ein Glas Rote Bete. Aber...
15. März 2022
Die wesentlichen Dinge haben die meisten wohl schon in ihrer Kindheit gelernt. Im Laufe der Jahre aber geht das, was so einfach und klar ist, in einem Wust von viel zu vielen und oft widersprüchlichen Informationen und Eindrücken verloren. Wenn der klare Blick verstellt ist, der innere Kompass fehlt, muss man wohl einem anderen vertrauen, der es besser zu wissen vorgibt. Eines dieser wesentlichen Dinge, die mir als Kind einmal in Form einer Geschichte von zwei Brüdern begegnete, erinnere ich...
05. März 2022
Wenn ich mir die Frage beantworten sollte, wie man gut durch diese Zeit kommt, dann würde ich mit zwei Weisheiten antworten: Einmal von Dostojewski, der überzeugt war, man dürfe sich niemals an einer Lüge beteiligen, und mit einer Zeile aus einem Lied von Gerhard Schöne: "Du sollst ja nicht die Wüste wässern, ... nur die eine Blume hüten, darin liegt dein Sinn." Ist die Lüge erst überall und vereinnahmt auch das Gute für sich, dann braucht es feine Antennen, um sie auszumachen und...
21. Februar 2022
Und aus dem Chaos sprach eine Stimme zu mir: "Lächle und sei froh, es könnte schlimmer kommen!", und ich lächelte und war froh, und es kam schlimmer...! So ging es uns, als Ylenia über uns hinwegzog und den Garten in ein bis dahin nie gesehenes Schlachtfeld aus heruntergerissenen Ästen und Zweigen verwandelte. Immerhin mussten wir erleichtert feststellen, hatten die Sturmböen keinen Baum entwurzelt. Also räumten wir auf und hofften, der Kelch wäre an uns vorüber gegangen. Dann aber...
12. Februar 2022
Ein Bilderbuchwinter sieht so aus. In diesem Jahr zieht sich dagegen die kalte Jahreszeit in einer endlosen Reihe grauer regnerischer Tage dahin. Die Sonne fehlt und mit ihr der Teil der Schönheit, den sie hervorbringt. Das hätte in anderen Jahren kräftig an meinen Nerven gezerrt. Im Moment aber bin ich immun gegen wetterbedingte und andere Ausnahmezustände. In meiner Seele herrscht Frühling. Die Erdenschwere hat sich verflüchtigt und einem nicht erklärbaren Frohsein Platz gemacht. Guter...
04. Februar 2022
Lange war mir völlig unverständlich, warum es das Rehlein im Märchen "Brüderchen und Schwesterchen" so dringlich zur Jagd in den Wald zieht. Es müsste doch, sobald die Hörner blasen, die Sicherheit bei seinem Schwesterchen in der Hütte vorziehen. Statt dessen läuft es hinaus und spielt im Vertrauen auf seine angeborene Schliche und die Kraft der Jugend mit der Gefahr. Denn es kann rennen wie der Teufel und im Blut steckt ihm das trickreiche Abschütteln auch des schnellsten...
28. Januar 2022
Vielleicht sollte man sich jeden Tag eine große Frage stellen. Aber wer besitzt schon die Disziplin, über eine selbst gestellte kluge Frage in einer Weise nachzudenken, dass die Antwort ausgereift in passende Worte gekleidet vor einem steht, als würde sie einen anschauen und zurück fragen: So meinst Du das also? Dazu stehst Du? Meist schweift man schnell vom Thema ab und wendet sich vermeintlich wichtigeren (Alltags-)Dingen zu. Schade! Denn eigentlich sind es die großen Fragen und der...

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