24. Januar 2022
Das Feuer zu hüten schien mir immer eine besonders bodenständige, wichtige und ehrenvolle Aufgabe. Wer sich ihr verschrieb konnte sich des Dankes des Heimkehrenden sicher sein. Ein warmes Haus ist bei ausschließlicher Nutzung eines Dauerbrandofens keine Selbstverständlichkeit und die vielen gesprochenen oder empfangenen Lobesworte klingen mir noch in den Ohren: Was für ein tolles Feuer! Hast Du das noch aus der Glut entfacht? Gut, dass Du rechtzeitig nachgelegt hast! Jetzt macht es sich...
16. Januar 2022
Es ist nur eine These: Könnte es sein, dass uns die gewohnheitsmäßige Nutzung von Fertigprodukten nicht nur in unserer Kreativität beschränkt, sondern auch im Denken? Wer sich selbst nichts mehr ausdenken muss, weil alles schon vorgegeben ist - von der Lampe bis zur Meinung - regrediert vom Homo faber, vom schaffenden Menschen zum Konsumenten und baut damit neben seinen handwerklichen auch seine geistigen Fähigkeiten ab. Ähnliche Korrelationen kennen wir vom Spielen eines...
05. Januar 2022
Am frühen Samstag Abend zog es uns zu einem Bummel nach Uelzen. Der Tag war überraschend mild, der Nieselregen hatte nachgelassen, Hände und Füße blieben warm und das Herz war nach den Feiertagen erfüllt von Freundlichkeit. Die Stadt empfing uns weihnachtlich geschmückt, der festlich erleuchtete Adventskalender am alten Rathaus zeigte sich wie jedes Jahr in geschmackvoller Pracht und so waren wir nicht die Einzigen, die sich auf den Weg gemacht hatten, das wohltuende Gefühl der...
04. Januar 2022
Alle wollen zurück zur Natur. Wir auch. Dabei gehen wir am liebsten den direkten Weg. Das heißt für uns z.B. beim Essen: lieber ein Suppenhuhn vom Nachbarn und heimisches Gemüse als stark verarbeitetes Soja, das ein Schnitzel mimt. Den geraden Weg haben wir auch bei der Sanierung unseres Gästehäuschens genommen, in das wir nun bald umziehen können. Lieber ein aus regionalem Lehm gebauter Grundofen, als ein vom Staat geförderter Pelletofen mit WLAN-Funktion. Lieber Hanf, Holz, Lehm und...
31. Dezember 2021
Wenn wir mit Anouk zwei Dörfer entfernt in den Wierener Bergen spazieren gehen, führt uns das letzte Stück unserer großen Runde am Elbe-Seiten-Kanal entlang. Fast immer tuckert dann auch ein Frachter vorbei, der für einen Augenblick das Fernweh in uns weckt. Wie schön müsste es sein, gemächlich die Wasserstraßen zu befahren, die abwechselungsreiche Landschaft zöge vorbei und mit ihr das Gestern. Wer weiter zieht, der lebt nach vorne gewandt im Hier und Jetzt. Der lässt die Dinge...
27. Dezember 2021
Im neuen Haus sind die Kieferndielen verlegt und sehen wunderschön aus. Sie erinnern mich an das frisch geschlagene Holz aus den im ersten Jahr unserer Waldwandel-Idylle gefällten Bäumen. Als guten Brennholzvorrat stapelten wir es überall im Garten zu Wänden auf. Lange konnte ich mich kaum satt sehen an der Schönheit des hellen Holzes. Dann aber nagte der Zahn der Zeit an ihm, die Scheite trockneten, wurden unansehnlich gelb und grau. Schmutz und Spinnweben sammelten sich in den Spalten...
22. Dezember 2021
Nach zwei Jahren Waldwandel-Blog-Schreibens befand ich, es wäre genug. Nun könnte ich stets nur immer Gleiches im neuen Gewand verfassen und das sei niemandem zumutbar. Schließlich könne der Leser im Archiv stöbern, um zu erfahren, was mich umtrieb und immer weiter umtreiben wird - im Frühjahr, Sommer, Herbst und Winter. Aber das morgendliche Gedankensammeln war zu schön als dass ich es einfach hätte aufgeben können. Und so legte ich mich zu meinem ganz persönlichen Vergnügen für...
16. Dezember 2021
Wo gerade unser Fokus liegt, zeigt sich in der Nacht. Ausgeleuchtet ist nur der Ort des Geschehens, die Welt darum versinkt in Dunkelheit. In unserer kleinen Waldwandelwelt heißt dieser Ort Baustelle, in der großen hat er andere Namen. Die Mechanismen bleiben gleich. Was unsere Aufmerksamkeit fesselt oder fesseln soll wird vom Licht berührt, alles andere tritt in den Schatten und wird unsichtbar. So geht es uns, so funktioniert es überall. Der Mensch und seine Psyche sind kein Geheimnis....
09. Dezember 2021
Weihnachtlich ist mir noch nicht zumute. Die Welt ist im Umbruch und überlässt sie den Charakterlosen. Moral und Integrität, Ehrlichkeit und Anstand, alles scheint nur ein wasserlöslicher Anstrich des Egos gewesen zu sein, der keiner Sturmflut trotzt. Jetzt zeigt sich der rohe Mensch. Er gibt den Ton an und verheddert sich in kalter Bürokratie. Kein Innehalten, kein Abwägen, kein Augenmaß, kein Mitleid lässt ihn wanken. Der guten Sache, der er sich einmal verschrieben hat und dann nie...
02. Dezember 2021
Würde ich heute vom Baum fallen, auf den ich auf "ausdrücklichen Wunsch der lebensfrohen Astrid Lindgren" geklettert bin, und mir ein Bein brechen, so wäre ich äußerst dankbar für die moderne Medizin, die zusammen zu fügen versteht, was zusammengehört, die flicken und reparieren, Schmerzen lindern und Entzündungen bekämpfen kann. Keine Frage, das Wissen, morgen gut behandelt zu werden, wenn ich heute wagemutig bin, Pech habe oder durch die Schuld anderer in eine Notlage gerate, ist...

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